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Die Sommerfrischler und ihr Traum vom Strand

Es ist immer Liebe auf den ersten Blick: Zuerst waren es Privatleute und Künstler auf der Suche nach Entspannung, die ihre Ferien in dänischen Sommerhäusern direkt am Meer verbrachten. Später träumte jeder Däne von seinem Ferienhaus am Strand. Viele trauten sich und bauten. Sehr zur Freude der deutschen Besucher. Die kamen und blieben. Bis heute.

Autorin: Nicola Kuhrt
Aktualisiert: Juli 2016
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Traum vieler Dänen: Ferienhaus am Strand

Traum vieler Dänen: Ferienhaus am Strand

Urlaub im Ferienhaus ist etwas Urdänisches, sagt Kaj Frederiksen. Frage man einen Dänen, wie er selbst am liebsten seine freien Tage verbringe, würde dieser den Aufenthalt mit der Familie und Freunden im Ferienhaus nennen, sagt Kaj, Geschäftsführer von „Sonne und Strand“, einem der fünf großen Vermittler von Ferienhäusern aus Dänemark. Er selbst fahre gern nach Skagen, ganz im Norden Dänemarks. Gerade erst sei er eine Woche im Norden gewesen, Freunde kamen zu Besuch.

Und nicht nur die Dänen lieben diese Art von Ferien, auch bei deutschen Urlaubern ist das dänische Ferienhaus seit Jahrzehnten sehr beliebt. Es ist die Sehnsucht nach Strand und Meer und der Wunsch, bei schönem Wetter die unberührte Natur zu genießen, die sie nach Dänemark führt. Im Durchschnitt werden 11 Millionen Übernachtungen deutscher Gäste pro Jahr in einem dänischen Ferienhaus vom Tourismusamt gezählt.

Das Ferienhaus in Dänemark – immer da, wo es am Schönsten ist

Wer über das Ferienhaus in Dänemark spricht, kommt um beeindruckende Statistiken nicht herum. Zum Beispiel diese: Etwa 180.000 Ferienhäuser gibt es insgesamt in Dänemark, mehr als 35.000 – also jedes fünfte - werden vermietet. Oder diese: Rund 1,4 Prozent der gesamten Landesfläche von Dänemark sind mit Ferienhäusern bebaut. Rund 93 Prozent der Ferienhäuser in Dänemark liegen dort, wo es am schönsten ist – in den Küstenzonen des Landes. Dass geht, weil Dänemark ganz viele schöne Strände hat: Stolze 7.300 Kilometer Länge misst die dänische Küste insgesamt.

Kein Wunder, dass es in Dänemark mehr Ferienhäuser gibt als in fast jedem anderen Land Europas – nur in Spanien sei die Zahl noch ein wenig höher, erzählt Geograph Gunther Tress, der über die Geschichte und Struktur von Ferienhäusern an der Universität Roskilde in Dänemark promoviert hat. Schon die Römer hätten eine Vorliebe für ein Ferienhaus am Strand gehabt und auch in der Renaissance bauten die Menschen Landsitze und Ferienhäuser am Meer, um dem heißen Sommer in den Städten zu entfliehen, berichtet Tress. Anders sei es in Dänemark gewesen: Hier wollte man nicht vor dem Sommer an die See flüchten, sondern eben genau diese schöne Zeit am liebsten im Ferienhaus am Meer verbringen.

Die Sommerfrischler bauen ihre Ferienhäuser

Dekoraation vor einem roten Ferienhaus

Entspannung abseits der Hektik

Mit wohlhabenden Reisenden und Künstlern aus großen Städten wie Kopenhagen hat es begonnen. Sie zog es um die Jahrhundertwende aus der Stadt. Auf der Suche nach unberührter Natur und Entspannung entdeckten sie den Erholungswert eines Lebens in den kleinen Küstenorten. Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden in Orten wie Hornbæk, Blokhus, Blavand, Lökken und Rörvig erste Badehotels und auch einfache Sommer- und Ferienhäuser, die an die Tradition italienischer Landhäuser oder nordischer Hütten angelehnt waren. Der Wunsch nach einem eigenen Ferienhaus am Meer erfasst immer weitere Teile der dänischen Bevölkerung.

Spätestens durch den steigenden Wohlstand in den 1960er Jahren, die Motorisierung und die zunehmenden Freizeitmöglichkeiten kam es in Dänemark zu einem wahren Boom der Ferienhäuser. Plötzlich konnte sich jeder ein solches Haus leisten. Und viele Dänen bauten.

„Es begann mit dem romantischen Traum von einem kleinen Haus am Strand oder am Wald. Weit weg von dem Lärm und der Hektik der Großstadt. Als Stadtkinder hatten wir beide den Wunsch nach Strand und Sonne und Baden“, erinnert sich etwa der heute pensionierte Postbote Arne Møller. Anfang der 50er-Jahre kauften Møller und seine Frau ein Grundstück in der Nähe von Nykøbing. „Der Kauf geschah zum Teil von dem Ersparten und zum Teil von dem Geld, das wir zur Hochzeit geschenkt bekommen hatten.“ Beim Bau des Hauses musste man trotzdem sparen, also suchte man in der Bibliothek nach Büchern über Häuser zum Selberbauen. „Das erste wurde 6,25 Quadratmeter, es war quadratisch 2,5 x 2,5 Meter, aber es reichte. Der Traum von Wald und Strand wurde reichlich erfüllt.“ Wie Møller taten es viele der so genannten „Sommerfrischler“ – das Motto lautete „so klein und so billig wie möglich“, berichtet Tress. Grundstück und Ferienhaus waren allesamt klein geschnitten, aber im Eigentum.

Gab es Mitte der 50er-Jahre noch um die 50.000 Ferienhäuser, waren es Mitte der 70er-Jahre bereits 150.000. „Allesamt lagen an den besten Badeküsten“, sagt Tress. Mit dem Boom wurden die Ferienhäuser mehr und mehr zu verkleinerten Kopien eines Einfamilienhauses. Die Ausstattung und Bauweise wurde immer weiter verbessert, so dass ein Ganzjahresaufenthalt möglich wurde.

Die Dänen schützen ihre Küsten

Luftaufnahme vom Strand mit ferienhäusern

Ein ausgewogenes Verhältnis: Ferienhäuser und Natur

In den 1970er Jahren wurden die Ferienhäuser in Dänemark zunehmend für ausländische, und vor allem für deutsche Gäste attraktiv. Die kurze Anreise nach Dänemark mit seinen Stränden, das schöne Wetter und das sehr gute Badewasser machte Dänemark schnell zu einem der ersten Ziele der deutschen Autoreisenden. Und viele Dänen hatten und haben nichts dagegen, ihre Ferienhäuser zeitweise zu vermieten. Ob einfaches Sommerhaus, luxuriös gestaltete Ferienhütte oder gar zum Zweitwohnsitz getrimmtes Einfamilienhäuschen – jedes Ferienhaus hat natürlich einen privaten Besitzer. Das bedeutet, dass die Einrichtung dessen persönlichen Geschmack widerspiegelt. Ob das den Urlaubern immer gefällt, ist nicht bekannt, sicher ist aber, dass es zum typischen Urlaub im Ferienhaus in Dänemark dazugehört, sich von der Einrichtung des Ferienhauses überraschen zu lassen.

Das dänische Fremdenverkehrsamt konnte sich in dieser Zeit des Booms längst nicht mehr vor Anfragen retten, die administrative Arbeit war nicht mehr zu bewältigen. Damals wandte man sich zum Beispiel an drei Reisebürofachleute, die kurze Zeit später die Firma „Dänisches Zentralbüro für Sommerhausvermietung“ gründeten. Nun gab es Dänemarks erstes Vermietungsbüro. Übrigens: Aus diesem Büro wurde später die auch heute noch bekannte Vermittlungsagentur „DanCenter“.

Bis Ende der 1970er Jahre hatte sich der Ferienhaustourismus zum wichtigsten dänischen Tourismussektor entwickelt. Und die Zahlen gingen weiter nach oben. Um die gewaltige Entwicklung in vernünftige Bahnen zu lenken, erließ die dänische Regierung verschiedene Gesetze. Die Schönheit der Küsten an Nord- und Ostsee sollte bewahrt bleiben, außerdem hatte man erkannt, dass ansonsten ein Stadium erreicht werden könnte, wo die Küsten nur noch von Ferienhäusern belegt gewesen wären, sagt Gunther Tress. Die Maßnahmen der Politiker hatten Erfolg. Die Zahl der Neubauten normalisierte sich. Und auch die zunehmend günstiger und somit auch attraktiver werdenden Flugreisen lenkten Besucher auch auf andere Reiseziele. Dies alles führte zu einer Normalisierung des dänischen Ferienhaus-Markts – auf einem guten Niveau.

Ferienhäuser in Dänemark: Von der Strandhütte bis Luxus-Villa

Immer noch kommen pro Jahr Millionen Gäste mit dem Auto oder der Fähre nach Dänemark, und die werden kräftig umworben. Über die Jahre hat sich in Dänemark eine gut organisierte Struktur von Vermittlungsbüros entwickelt, die ausländischen Besuchern zum Wunsch-Ferienhaus verhelfen – ob in Westjütland, an der Jammerbucht, auf Fanö, Fünen oder auf Falster. Die großen Vermittlungsbüros heißen Novasol, Sonne und Strand, Feriepartner, DanCenter und Dansommer.

Vier Kategorien an Ferienhäusern können die Dänen ihren Gästen anbieten. „Standard“ sind meist kleine, einfache Häuser, die 300 bis 500 Meter vom Strand entfernt liegen. Das sind die Bauten, die vor allem in den 1960er Jahren entstanden. „Heute sind diese entweder renoviert oder bereits durch komplett neue Gebäude ersetzt“, berichtet Kaj Frederiksen von „Sonne und Strand“. Denn so nah am Meer zu bauen, ist heute durch dänisches Recht nicht mehr erlaubt. Die Grundstücke, die es bereits gibt, bleiben davon unberührt – und sind viel Geld wert. Dieser Typ Ferienhaus ist in Dänemark am weitesten verbreitet.

Vermittler bieten Mehrwert zum Ferienhaus

Urlaub auf dem Hausboot, einem ungewöhnlichen Feriendomizil

Urlaub auf dem Hausboot, einem ungewöhnlichen Feriendomizil

Die nächste Generation nach den einfachen Ferienhäusern waren die so genannten Sauna-Häuser, erzählt Frederiksen. Es gab immer neue Dinge, die die Gäste nachfragten, und danach richtete sich das Angebot. Nach den Ferienhäusern mit Sauna kamen also die mit Whirlpool, ab 1985 entstehen dann vermehrt Swimmingpool-Häuser. Heute werden meist geräumige Ferienhäuser mit vielen Bädern und Schlafzimmern gebaut. Mehrere Familien können diese bequem mieten und die Kosten untereinander teilen. „So hat man für einen sehr erschwinglichen Kurs ein schönes Ferienhaus zur Verfügung, und das auch noch mit Sauna, Whirlpool und Schwimmbad“, sagt Frederiksen.

Und die Möglichkeiten, seinen Urlaub in Dänemark zu verbringen, werden immer raffinierter: Sogar exklusiv eingerichtete und moderne Hausboote in Hvide Sande oder Bork Havn können von den Urlaubern gebucht werden, um eine entspannte Ferienzeit in Dänemark zu verbringen. Mehr über außergewöhnliche Ferienhäuser in Dänemark lesen Sie hier.

Der neuste Trend der deutschen Ferienhaus-Urlauber heißt Mehrwert, erzählt er. Zum gemieteten Ferienhaus gibt es Vergünstigungen für zahlreiche Attraktionen wie Legoland, Aalborg Zoo oder das Tivoli in Kopenhagen oder auch für ein Schwimmbad vor Ort. „Die Menschen haben heute einfach viel mehr Möglichkeiten, wo sie ihren Urlaub verbringen können“, sagt er, da müsse man schon etwas bieten. „Proaktiv“ sein, nennt Kaj das.

Der größte Schatz in Dänemark aber waren und bleiben die wunderschönen Küstenregionen mit ihren unberührten Stränden. Den Traum, in einem Ferienhaus in Dänemark, ganz nah an Wasser, Wind und Wellen, einen erfüllten Sommerurlaub bei bestem Wetter verbringen zu können, werden die Menschen wohl immer weiter träumen. Ob Dänen oder Deutsche.

Quellen:

Danmarks Statistik

Gunther Tress: Die Ferienhaus-Landschaft. Motivationen, Umweltauswirkungen und Leitbilder im Ferienhaustourismus in Dänemark. Universität Roskilde, Institut für Geographie und Internationale Entwicklungsstudien, Forschungsrapport Nr 120, 2000

Alex Wisbom: Die Bekenntnisse eines Ferienhausbesitzers - Das dänische Stadtplanlabor: Das Ferienhaus - Geburt und Wachstum. Stadtplanhistorische Notizen 25.

Autorin: Nicola Kuhrt
Aktualisiert: Juli 2016
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