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Øl – frisch von der Quelle: Die kleinen Brauereien in Dänemark

In Dänemark finden individuelle Biere aus kleinen Mikro- oder Haus-Brauereien mehr und mehr Fans. Der Trend ist landesweit – rund 100 „Mikro-Bryggerier“ liegen zurzeit zwischen Nordseeküste, Seeland und Bornholm.

Autor: Christoph Schumann
Aktualisiert: Januar 2017
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Tradition seit Generationen

Zwei Gläser gezapftes Bier

Frisches Bier aus der Mikro-Bryggeri

Ein kurzer Blick genügt zur Orientierung: „Øl-salg“, bitte läuten, steht auf dem Schild des unscheinbaren Fabrikgebäudes. Bier-Verkauf ab Werk – mitten im dänischen Niemandsland an der wenig befahrenen Landstraße zwischen Nyborg und Fåborg im Osten von Südfünen. Doch die kleine Refsvindinge Bryggeri braut eines der beliebtesten Biere im Königreich – und das schon seit 1885.

Im Familienbetrieb von John Juul Rasmussen herrscht geschäftiges Treiben. Bierkisten und Paletten stapeln sich im Hof, Flaschen stehen herum, ein Gabelstapler fährt vorbei. Drinnen in der Brauerei laufen Zapfanlage und Etikettiermaschine. In der „Refsvindinge Brauerei“ ist immer etwas los. Die Geschäfte gehen gut: Die hier gebrauten Biere stehen in Kopenhagener In-Lokalen ebenso hoch im Kurs wie auf dem Land. Ausgezeichnet im wahrsten Sinn des Wortes wurden Rasmussens Getränke auch schon. Das „Ale No. 16“ verließ schon 1997 einen dänischen Blindtest als Sieger. Und im selben Jahr wurde es sogar zum drittbesten der Welt gekürt. Das Geheimnis der Refsvindinge Bryggeri? Juul Rasmussen zögert nicht: Die richtigen Rohstoffe, gutes Wasser und „Liebe zum Bier“.

Dänemarks östlichstes Brauhaus

„Bryghuset“ steht auch in großen Buchstaben über dem Toreingang des alten Fach­werkgebäudes am Marktplatz des kleinen Fischerortes Svaneke auf Bornholm. Hier, in einem alten Vierkanthof von 1750, liegt eine weitere der populären kleinen Braue­reien Dänemarks. Fast am Ende der Welt. Zumindest aber am östlichsten Punkt des Königreiches von Regentin Margrethe II.

Svaneke Pils von der Sonneninsel Bornholm

Svaneke Pils von der Sonneninsel Bornholm

Der Durchgang führt zum Innenhof, schräg gegenüber liegt das Ziel vieler Bier-Exkursionen – Svaneke Bryghus, die Brauerei von Svaneke. Die gemütliche Mischung aus Kneipe und Restaurant ist gut gefüllt an diesem Abend. Nur mit Mühe kann sich Restaurantchef Sebastian Frost stimmlich gegen die gute Stimmung durchsetzen: „Unsere Hausbrauerei eröffnete Anfang 2000“, berichtet Frost, „fast 50 Jahre nach der Schließung der letzten Brauerei auf Bornholm. Mit einem Erfolg, wie Svaneke Bryghus ihn heute hat, haben wir damals wahrlich nicht gerechnet.“

Die Idee, auf Bornholm wieder Bier zu brauen, hatte Brauereiinhaber Torben Stender. Ursprünglich sollte sein Bier sein, war der Wunsch des geborenen Bornholmers. Und nach handwerklicher Tradition, nicht industriell und in großen Mengen gebraut. Darunter auch ökologische Biere wie das „Øko Mørk Guld“.

Die Bornholmer Kultgetränke kommen so gut an, dass Svaneke Bryghus 2007 neue Brauan­lagen baute. Das meiste davon wird gleich hier in den hauseigenen Schankräumen genossen. Einige Hektoliter des „kühlen Blonden“ verlassen allerdings im ›Export‹ die dänisch Sonneninsel – zum Beispiel in Restaurants und Gaststätten mit Sinn für exklusiven Genuss in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen.

Frisches Bier in Kopenhagen

Zwei Flaschen Bier aus der Nørrebro-Brauerei

Bier aus dem Nørrebro Bryghus

Aus der Leidenschaft weniger Genießer, wohlschmeckendes, frisches Øl – so das dänische Wort für Bier – direkt im Schatten des Braukessels zu genießen, bildete sich in den vergangen Jahren ein dänischer Trend. Gab es 2000 nur eine Handvoll kleiner Brauereien, schätzen Branchenverbände heute mit etwa 100 so genannten Mikro-Brauereien landesweit. Hinzu kommt etwa ein Dutzend größerer Produzenten wie der internationale Player Carlsberg Group.

Längst hat der Trend der Mikro-Brauereien auch Kopenhagen erreicht. Vorreiter der kultivierten Bier-Szene ist hier das Ende 2003 eröffnete Nørrebro Bryghus im Stadtteil Nørrebro. Die Mikrobrauerei in einem Fabrikgebäude von 1857 in der Ryesgade vom ersten Tag an einen regelrechten Besucheransturm.

Hinter dem Brauhaus steht Anders Kissmeyer, der 16 Jahre lang als Brau­meister beim Weltkonzern Carlsberg tätig war. Die Ambitionen des Kopenhageners richten sich jetzt auf die Herstellung von qualitativ hochwertigem „Øl“, nicht auf Massenware. Darunter sind Sorten wie das 5,3-prozentige Weizenbier Stuykmann Witt oder das indisch-inspirierte Bombay Pale Ale. Das vollmundige Getränk ist mit 6,5 Prozent Alkoholgehalt das stärkste Bier im Nørrebro Bryghus.

Im Carlsberg-Museum wird „Jacobsen“ gebraut

Im Carlsberg-Museum wird „Jacobsen“ gebraut

Kopenhagens erste Mikro-Brauerei ist Nørrebro Bryghus gleichwohl nicht. Denn schon seit 1999 braut die Bryggeriet Apollo im weltberühmten Vergnügungspark Tivoli ihren Gerstensaft – streng nach (deutschem) Reinheitsgebot und in einer 1989 in Ostdeutschland erworbenen Brau­anlage. Daran hält sich auch Tivolis klassisches Gasthaus: Der schon 1934 eröffnete Færgekroen braut etwa 4000 Liter Bier pro Woche. Die Reifezeit von 21 Tage spielt dabei eine zentrale Rolle.

Dass auch Dänemarks „Große“ klein können beweist übrigens seit kurzem auch Carlsberg: In seinem Brauerei-Museum eröffnete der Bier-Weltkonzern im Kopenhagener Vorort Valby eine kleine Hausbrauerei. Im Jacobsen Brewshouse – benannt nach Firmengründer J.C. Jacobsen und seinem Sohn Carl – kosten Kenner nur Spezialgebrautes.

Mikkeller, die Brauerei ohne eigene Produktion

Sein Erfolg forderte eine Entscheidung: Mikkel Bjergsø musste sich was einfallen lassen, nachdem er 2005 mit seinem im Keller produzierten Bier mehrere Blindverkostungen in Dänemark gewonnen hatte. Die Nachfrage war da, nur Geld und Zeit waren Mangelware – eine Brauerei baut man nicht mal eben so! 
Eine eigene Anlage gibt es bis heute nicht, Mikkeller mietet weltweit Braukapazität, z. B. in Belgien, Norwegen, USA, England und Dänemark. Es wird fleißig experimentiert, fast 1.000 Biere hat Mikkel schon kreiert, jedes mit einer besonderen Note.

Verkauft wird das Bier im Mikkeller Bottle Shop in den Torvehallerne in Kopenhagen und am Skt. Knuds Torv in Aarhus. Frisch gezapft bekommt man die Biere unter anderem in der beliebten Mikkeller Bar in Vesterbro, Viktoriagade 8. Nur 10% der Produktion wird übrigens in Dänemark getrunken. Mikkeller Bars gibt es weltweit. Besonders beliebt ist das Bier offenbar in Asien, aber auch in San Francisco, in Reykjavik und in Barcelona kann man in Mikkellers Bars sitzen und nette Leute kennenlernen.

Tief im Westen

Das Søgaards Bryghus in Aalborg

Das Søgaards Bryghus in Aalborg

Besondere Biersorten findet man aber auch an anderen, abgelegenen Orten Dänemarks. So hat sich Thisted Bryghus in Nordwestjütland auf die Herstellung von Öko-Bieren spezialisiert und ein besonderes Haus-Øl kreiert: „Porse Guld“ erhält seinen einzigeartigen Geschmack vom in den Wäldern der Umgebung gesammelten Heidekrautgewächs Porst.

Ausgehen mit „Bier“-Geschmack können Städtereisende auch in Dänemarks kleinen Metropolen. So zapft die Hausbrauerei Bryggeriet Sct. Clemens in Aarhus ihr Øl direkt vom Kupferfass. In der Limfjordcity Aalborg bekommt man Ober- und Untergäriges mit dem gewissen Extra im Søgaards Bryghus am schönen C. W. Obels Plads mitten in der Altstadt. Hier wie in den meisten dänischen Mikro- oder Hausbrauereien gilt übrigens, dass es alternativ zum Selbstgebrauten immer auch Kaffee oder Saft gibt. Und meist auch ein Restaurant, das auch bei seinem „Hauptgang“ Frische und Qualität bietet – passend zum kühl-frischen Øl.

Ausgewählte Mikro-Brauereien in Dänemark

Nørrebro Bryghus
Ryesgade 3, 2200 Kopenhagen N
Husbryggeriet Jacobsen (Hausbrauerei von Carlsberg)
2500 Valby, Gammel Carlsbergvej 11
GourmetBryggeriet / Ølfabrikken
Bytoften 10-12, 4000 Roskilde
Refsvindinge Bryggeri og Malteri
Nyborgvej 80, 5853 Ørbæk
Aktieselskabet Thisted Bryghus og Thisted Mineralvandsfabrik
Bryggerivej 10, 7700 Thisted
Fanø Bryghus A/S
Strandvejen 5, 6720 Fanø
Fur Bryghus
Knudevej 3, 7874 Fur
Søgaards Bryghus
C.W. Obels Plads 1A, 9000 Aalborg
Samsø Bryghus
Nordby Hovedgade 9, 8305 Samsø

Nachtrag: Aufgrund der Finanzkrise kann es sein dass nicht mehr alle Brauereien in der beschriebenen Form existieren. Teilweise sind diese von anderen Brauereien aufgekauft worden oder geschlossen worden.

Autor: Christoph Schumann
Aktualisiert: Januar 2017
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