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Ein Tag in Kopenhagen - fast umsonst

Im Ranking der höchsten Lebenshaltungskosten belegt Kopenhagen regelmäßig einen Spitzenplatz. Im Ranking der teuersten Orte für Touristen liegt Kopenhagen sogar auf Rang zwei hinter Oslo. Wer also etwas für die Wirtschaft tun möchte und gern Geld ausgibt, ist in Kopenhagen goldrichtig! Doch es geht auch anders. Selbst für ein kleines Budget zeigt sich Kopenhagen von der besten Seite. Viele Sehenswürdigkeiten stehen im Freien und kosten keinen Eintritt. Die Sport- und Spielangebote der Stadt stehen auch Urlaubern offen und selbst in der Innenstadt gibt es günstige, gute Restaurants, Imbissbuden und Kioske.

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Aktualisiert: März 2017
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Königlich und sagenhaft

Die kleine Meerjungfrau sitzt im Hafenbecken

Die kleine Meerjungfrau sitzt im Hafenbecken

Am besten eignet sich der innerstädtische Hafen als Startpunkt für einen Stadtspaziergang durch Kopenhagen, da die meisten Sehenswürdigkeiten von hier aus in nur wenigen Gehminuten erreichbar sind. Wir beginnen mit dem kleinsten, aber vielleicht auch berühmtesten Wahrzeichen von Kopenhagen: Der Skulptur der Kleinen Meerjungfrau von Edvard Eriksen, entworfen nach einem Märchen des Dichters Hans Christian Andersen.

Die kleine Figur sitzt auf einem Stein am Hafen vor dem Kastell, wer nicht nach ihr sucht, könnte sie glatt übersehen. Sie ist nur etwa 1,25 Meter hoch. Mehrere Hinweisschilder, mobile Souvenirshops und Scharen von fotografierenden Touristen weisen aber den Weg. Anschauen und fotografieren ist umsonst, anfassen streng verboten. Damit sich alle daran halten, wurde ihr Sitzplatz vor einigen Jahren ins Wasser verlegt.

Die Meerjungfrau ist ein Pflichtprogramm, viel imposanter und vielleicht ein bisschen schöner ist aber der Gefionbrunnen einige Meter zuvor. Er ist das größte Denkmal der Stadt und zugleich ein Wunschbrunnen. Gefion heißt die germanische Göttin des Glücks und der Familie. Der Sage nach hat sie mit ihrem Pflug die Insel Seeland aus der Landmasse Schwedens herausgepflügt. Ob es unter diesem Aspekt ein Zufall ist, dass die Dänen immer wieder zu den glücklichsten Bürgern der Welt gekürt werden? Die glänzenden Münzen in den mehrstufigen Wasserbecken deuten darauf hin, dass auch die Besucher an die Macht dieses imposanten Brunnens und seiner Göttin glauben.

Gefionbrunnen in Kopenhagen

Die Glücksgöttin Gefion, umgeben von Wasser

Wer möchte, kann nebenan um christlichen Segen bitten, hier steht die einzige anglikanische Kirche Dänemarks, St. Alban's Church. Die sehr hilfsbereiten Aufseher verteilen im Sommer Informationen zur Kirchengeschichte und laden ein, den hübschen Innenraum zu besichtigen.

Nebenan führt eine Brücke ins Kastell. Die sternförmige Festung aus dem 17. Jahrhundert wird noch heute vom dänischen Militär genutzt. Man kann sie auf dem Wall umrunden oder innen durch die hübschen Gassen schlendern. Ungewöhnlich schlicht ist die rechteckige Kirche Kastelskirken mit dem fein säuberlich geharkten Exerzierplatz davor.

Der Langeliniekaj hinter dem Kastell ist der Anleger für kleinere Kreuzfahrtschiffe, die in Kopenhagen Station machen. Eiscreme mit toller Aussicht auf den Hafen gibt es am Ende des Kais, dort stehen zwei Eisbuden mit unverbautem Meerblick. Die als Langelinie Outlet beschriebenen Geschäfte direkt am Anleger haben nur während der Kreuzfahrtsaison geöffnet. Vielleicht findet man dort noch das ein oder andere Schnäppchen am Weg, das Angebot ist aber kein Grund, extra hierher zu fahren.

Vom Kastell führt ein Weg durch die ehemalige Wallanlage Østre Anlæg zu den sogenannten Parkmuseen zwischen den Gärten Kongens Have und Botanisk Have. Die Kronjuwelen von Christian V im Schloss Rosenborg mitten im Kongens Have sieht man nur als zahlender Besucher, doch der Anblick des Schlosses und ein Besuch in den beiden Gärten ist umsonst. Das Schloss ist heute nur noch ein königliches Museum, der Wohnsitz von Königin Margrethe II und ihrer Familie ist das Schloss Amalienborg.

STadtführung von Freetours Copenhagen

Kostenlose Stadtführung am Rathausplatz

Für einen kostenlosen und dazu recht ungewöhnlichen Stadtrundgang vom Kongens Have zum Schloss Amalienborg sollte man die Königliche Leibgarde zum Wachwechsel begleiten. Täglich zwischen 11:27 Uhr und 11:32 Uhr, je nach Anwesenheit der königlichen Familie, marschiert die Leibgarde mit viel Musik und Tamtam von der Livgardens Kaserne am Schloss Rosenborg zum Schloss Amalienborg.

Das politische Geschick der Stadt wird vom Rathausplatz im Zentrum von Kopenhagen aus bestimmt. Das mächtige Rathaus steht in der Nähe des Bahnhofs zwischen dem Freizeitpark Tivoli und der Fußgängerzone Strøget. In seiner sehenswerten Eingangshalle finden von Zeit zu Zeit kostenlose Ausstellungen statt. Auch das Uhrwerk der prächtigen astronomischen Uhr von Jens Olsen ist kostenlos zu bewundern, wenn auch hinter Glas. Das Meisterwerk der Feinmechanik wurde aus etwa 15.000 Teilen zusammengesetzt und gibt nicht nur die aktuelle Zeit an, sondern auch Sonnenauf- und -untergang, die nächste Mondfinsternis und die Position der Sterne.

Ebenfalls kostenlos sind die Stadtführungen mit Guide, die täglich vor dem Rathaus starten. Es gibt zwei Anbieter, Copenhagen Free Walking Tours mit hellgrünen Schirmen und Sandemans neweurope Free Tours mit roten Schirmen. Die Touren starten zur vollen Uhrzeit, pünktlich mit dem Glockenschlag. Die Stadtführer, zumeist Studenten, freuen sich über ein freiwilliges Trinkgeld nach der Runde.

Eine Stadtrundfahrt mit dem Linienbus kostet übrigens im günstigsten Fall zwei Einzeltickets zu je 24 DKK. Man fährt mit der Linie 1 A von der Haltestelle "Glyptotek" hinter dem Tivoli bis zum Langelinienkaj und von dort mit der Linie 26 zurück zum Hauptbahnhof, die Busse fahren fast die gleiche Strecke wie die offiziellen Doppeldeckerbusse für Stadtrundfahrten und man kann an allen interessanten Stationen aussteigen. Fahrpläne und weiter Infos (auf Dänisch und Englisch) gibt es online auf DOT - Din offentlige Transport.

Kunst und Kultur für wenig Geld

Schloss Christiansborg mit dem höchsten Turm der Stadt

Schloss Christiansborg mit dem höchsten Turm der Stadt

Die staatlichen Museen sind leider inzwischen alle kostenpflichtig, nur für Kinder bis maximal 12 Jahre ist der Eintritt in vielen Häusern noch frei. Im Dänischen Nationalmuseum zwischen dem Rathaus und Schloss Christiansborg wird es günstiger für Erwachsene, wenn man ein Kind begleitet – vielleicht ein kleiner Trost für Familien, denn dieses Museum ist wirklich sehenswert. Alle wichtigen nationalen Fundstücke von der Wikingerzeit bis heute sind hier versammelt, dazu eine Münz- und Medaillensammlung, antike Kunst, Schmuck und auch national bedeutsame Exponate aus heutiger Zeit wie das erste Drogenmobil, das in den Straßen von Kopenhagen kostenlose medizinische Hilfe für Obdachlose anbot.

Alle öffentliche Bibliotheken stehen jedem Besucher offen, sogar, wenn sie so schön und besonders sind wie die Dänische Nationalbibliothek am Hafen oder die Bibliothek der Königlichen Kunstakademie im Schloss Charlottenborg am Nyhavn. Die Nationalbibliothek heißt auch Den Sort Diamant, Schwarzer Diamant, weil ihre dunkle Granitfassade das Wasser reflektiert wie abertausend kleine Diamanten. Leider sieht man das in voller Schönheit nur von einem Boot aus, wofür man mindestens ein Ticket für den gelben Wasserbus kaufen müsste.

Charlottenborg: Kunsthalle mit schöner Bibliothek

Charlottenborg: Kunsthalle mit schöner Bibliothek

Der Eintritt in das Gebäude ist frei, ebenso wie der Internetzugang und der Besuch sämtlicher Ausstellungen. Dazu gehört das Nationale Fotomuseum und die Montana Halle, in der historische Bücher und seltene Handschriften gezeigt werden. Nicht so berühmt ist die Kunstbibliothek im Schloss Charlottenborg, sie ist Teil der Königlichen Kunstakademie. In ihrem kleinen, historischen Lesesaal kann man sich in eine Leseecke setzen und in den zahlreichen Kunstbänden blättern. Auch deutsche Bücher gehören zur Sammlung.

Die vielen, prächtigen Kirchen der Stadt sind fast alle frei zugänglich, nur der Aufgang zu den Türmen kostet ein paar Kronen. Eine kostenlose Alternative ist die Aussicht vom höchsten Turm der Stadt. Er gehört zum Schloss Christiansborg, in dem heute das dänische Parlament Folketinget tagt. Man sollte etwas Zeit mitbringen, da die Schlange vor dem Fahrstuhl meist recht lang ist. Sonntags werden kostenlose Führungen durch die Parlamentsräume im Schloss angeboten auf Dänisch und Englisch. Man muss sich vorher online anmelden.

Spiel, Spaß und kleine Speisen

Die bunte Häuserreihe am Nyhavn ist vielleicht ebenso berühmt wie die Kleine Meerjungfrau. Fast alle Artikel über Kopenhagen schmücken sich mit ihrem Bild. Als Hafen hat der kleine Stichkanal schon lange seine Bedeutung verloren, doch als Touristenmagnet und gastronomisches Zentrum wird er wohl in die Ewigkeit eingehen. Es ist auch einfach zu schön hier! Eine Fassade farbenprächtiger als die nächste, hinter jeder gibt es ein gemütliches Lokal mit vielen Sitzplätzen vor der Tür. Am Kai schaukeln ein paar alte Holzkähne und dazwischen spielen Straßenmusiker, vorzugsweise Jazz und Blues. Wenn man sich direkt auf die Kaimauer setzt, hat man die beste Aussicht, günstige Getränke bekommt man am Kiosk in der Lille Strandstræde oder gar bei Aldi in der Gothersgade.

Jazzfestival im Nyhavn

Beliebtester Treffpunkt der Stadt: Nyhavn

Ein Imbiss mit sehr leckeren Gerichten für wenig Geld ist das Shawarma Grill-house an der Strøget, nur wenige Meter vom Rathaus entfernt. Auch in den vielen Supermärkten im Zentrum bekommt man preiswerte, frisch zubereitete Snacks. Die Netto-Märkte mit dem Namenszusatz DøgnNetto haben bis Mitternacht geöffnet, die kleinen Irma-Filialen bis 20 oder 21 Uhr.

Einen Platz im Liegestuhl am Hafen finanziert die Kommune für alle Gäste, nur aufstellen muss man sich den Stuhl selber. Unter der Kvæsthusbroen verbirgt sich eine Tiefgarage für Besucher des Schauspielhauses, auf dem Dach in Meereshöhe ist eine große Freizeitfläche mit kleinen Bars, Livemusik und vielen kostenlosen Sonnenplätzen entstanden. Hier schmeckt das Picknick aus dem Supermarkt gleich doppelt so lecker!

Für ein kostenloses Bad im Hafenbecken muss man nicht von der Kaimauer springen, sondern kann eines der drei wunderbaren Hafenschwimmbäder besuchen, alle kostenlos.

Einige der Spielplätze, die in den letzten Jahren neu eröffnet wurden, sind nicht nur für Kinder reizvolle Ausflugsziele, denn die Spiel- und Sportgeräte sind auch für Große geeignet. Einen Plan mit allen kostenlosen Spielplätzen gibt es im Copenhagen Visitorcenteran der Vesterbrogade, gegenüber vom Haupteingang zum Tivoli. Der Kopenhagener Zoo liegt im großen Frederiksberg Park, er kostet natürlich Eintritt, doch auf zwei Seiten wurden die Mauern durch flache Zäune bzw. Glasscheiben ersetzt. Vom schönen Frederiksberg Park aus sieht man die Elefanten hautnah, vom Landschaftspark Søndermarken kann man durch eine Glaswand Zebras, Antilopen und Giraffen in der Savanne grasen sehen.

Café Månefiskeren in Christiania

Café Månefiskeren in Christiania

Ein Besuch in Christiania, dem selbsternannten Freistaat im Stadtteil Christianshavn ist ebenfalls gratis, vom Rathaus geht man etwa 15 Minuten. Auf dem Gelände gibt es nicht nur ungewöhnliche, selbstgebaute Wohnhäuser, sondern auch urige, günstige Lokale mit so schönen Namen wie Café Månefiskeren (Mondfischer), Stjerneskibet (Sternenschiff) oder Sunshine Bakery (Sonnenscheinbäckerei). Sehr kreativ wird im Grønsagen gekocht. Hier zahlt jeder Gast nur so viel, wie ihm das Essen wert war.

Auf dem Rückweg in die Stadt kommt man nah an einer der ältesten Kneipen in Kopenhagen vorbei, wo das Bier tagsüber beinahe Kioskpreise hat. Die Eiffel Bar ist eine traditionelle, verräucherte Kneipe, die Jung und Alt gleichermaßen lieben und beleben. Ein Flaschenbier kostet hier tagsüber 17 DKK und abends 20 DKK, eine Flasche Wein gibt es für 130 DKK. Essen sollte man vorher, denn es werden nur Getränke serviert. Dazu spielt man Würfel oder Karten, hört Musik oder lernt ein paar Dänen an der Theke kennen.

Ein Ausflug nach Klampenborg oder Dragør

Dragoer-platz
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Gelbe Fischerhäuser säumen den Marktplatz von Dragør

  • Gelbe Fischerhäuser säumen den Marktplatz von Dragør
  • Autos fahren hier kaum, die Straßen sind zu schmal
  • Früher lebten hier die Fischer dicht an dicht
  • Üppige Blumenbeete schmücken den Ort
  • Viele kleine Restaurants säumen die Gassen
  • Am Hafen gibt es Fisch in der Røgeri
  • .. und Getränke mit Blick auf Segelboote und Fischkutter
  • Weißer Sand am Desigernstrand Klampenborg
  • Ein bisschen retro, aber sehr beliebt: Bakken
  • Rehe hautnah trifft man im Jægersborg Dyrepark

Dragør und Klampenborg – 10 Bilder

Der Freizeitpark Tivoli ist toll, aber sündhaft teuer. Für wenig Geld erlebt man einen ebenfalls wunderbaren Nachmittag im Freizeitpark Bakken im Vorort Klampenborg. Bakken ist der älteste Freizeitpark der Welt! Er liegt am Rand des weitläufigen Jægersborg Dyrehavn. Der Eintritt ist frei, nur für die Fahrgeschäfte muss man ein Armband als Wertmarke kaufen. Mittwochs gibt es Einzelfahrten zum halben Preis, die man bar an der Karussellkasse bezahlt, je nach Attraktion zwischen 10 und 40 DKK. Das Essen ist hier immer sehr günstig, der Imbiss Malmøkroen zum Beispiel serviert jedes Gericht und jedes Getränk für nur 25 DKK.

Anschließend kann man einen Verdauungsspaziergang durch den Jægersborg Dyrehave machen und Rehe und Hirsche aus nächster Nähe beobachten. Auch ein Abstecher zum herrlichen Klampenborg Strand lohnt sich. Die Strandanlage und der Wohnkomplex Bellavista an der Uferstraße wurden in den 1930er Jahren vom Designer und Architekten Arne Jacobsen entworfen.

Am anderen Ende der Stadt, ganz im Süden der Insel Amager, liegt das Städtchen Dragør. Der Ort gehört nicht zur Stadt Kopenhagen, sondern zur Gemeinde Tåstrup. Dragør ist berühmt für seine entzückende Altstadt rund um den Hafen. Dicht an dicht stehen die gelben Fischerhäuser. Ein Spaziergang durch die schmalen Gassen gleicht einem Ausflug in vergangene Zeiten. Im Hafen erinnert ein alter Lotsenturm daran, dass Dragør einst ein bedeutsamer Hafen war. In den beiden Bars am Kai gibt es Speisen und Getränke zu einem Preis, der (zumindest für Kopenhagen) auch an gute alte Zeiten erinnert.

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