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    Ostsee, wir lieben dich!

    Bunte Fischerhäuser direkt übe rdem Strand in Tisvildeleje

    Schon als Kleinkind fuhr ich mit meinen Eltern mehrmals im Jahr an die dänische Nordsee. Ich wuchs mit der Gewissheit auf, dass es keinen schöneren Ort in Dänemark geben könne als die Nordseeküste mit ihren hohen Dünen und weiten Stränden – bis eine Dienstreise nach Seeland mich an die Ostsee führte.

    Urlaub in Dänemark – unvorstellbar ohne Nordsee

    Die Liebe zur dänischen Nordsee wurde mir förmlich in die Wiege gelegt, sie schien lange unantastbar zu sein. Als ich drei Jahre alt war, fuhren meine Eltern zum ersten Mal mit mir nach Bjerregård und der Bund fürs Ferienleben war besiegelt.

    Der unkonventionelle Stil eines dänischen Ferienhauses, die schier endlose Weite des Strandes, der Gesang der Lerchen über der Heide, der Luxus einer Sauna im eigenen Haus, das urtümliche, ungezwungene und zeitlose Leben in der Ferienzeit hat meine Eltern von der ersten Minute an in ihren Bann gezogen.

    Begeisterung von klein auf

    Eine Begeisterung, die sich auch auf mich übertrug. Fortan war es für mich immer das größte Abenteuer, ein Ferienhaus am Anreisetag zu erkunden und alleine durch die umliegende Dünenlandlandschaft zu streifen.

    Im Sommer hatten wir den heißen Sand unter den Füßen, im Herbst prasselte er uns, vom Wind gepeitscht, beim Überqueren der Dünen ins Gesicht, im Winter lauschten wir dem eisigen Knacken des Dünengras und dem Knistern des Kaminfeuers im Ferienhaus. All das war für uns Dänemarkurlaub wie er sein musste.

    Von Süd nach Nord, aber immer im Westen

    Im Laufe der Jahre erkundeten wir die Ferienhausgebiete von Rømø bis Skagen und wohnten am liebsten fernab der wenigen Städte, die es dort gibt. Aber ein Bummel durch Hvide Sande, Lønstrup oder Løkken durfte nie fehlen.

    Dann und wann begaben wir uns auf kurze Ausflüge an die Ostsee. Die schmalen Strände und die engen Ferienhausgebiete wirkten auf uns jedoch wenig einladend und ohne das Nordseeklima mit Wind und tosendem Wellenschlag erschien uns ein Dänemarkurlaub wenig erstrebenswert.

    Als Dänemarkprofi auf zu neuen Ufern

    Zwischenzeitlich hatten meine eigenen Kinder ihre ersten Urlaube an der Nordsee verbracht und es wäre wohl so weitergegangen, wenn ich nicht meine Liebe zum Land zum Beruf gemacht hätte und mich entschloss, als Dänemarkprofi beim Ferienhausportal fejo.dk zu arbeiten.

    Nun galt es, den Rest des Landes kennenzulernen. Drei Generationen von Nordseefans, meine Kinder, meine Mutter und ich, machten sich mit eher gedämpfter Vorfreude auf zu unserem ersten Ziel an der Ostsee: Nordseeland.

    Verschnaufpaue auf der Fähre

    Erstaunlich schnell verging die Hinfahrt, denn die Fähre von Puttgarden nach Rødby erwies sich nicht nur als völlig unkompliziert, sondern auch als herrliche Pause für alle Mitreisenden. Für die Kinder waren es 45 Minuten Abenteuer, für uns Erwachsene begann beim Anblick des Meeres der Urlaub und sogar der Hund durfte mit an Deck.

    Wer mochte, konnte auf der Fähre den ersten dänischen Hot Dog bestellen und ihn auf dem Sonnendeck bei einer frischen Brise genießen. Preis und Leistung durfte man nicht bewerten, aber in diesem Fall zählte das Erlebnis und weniger die Qualität. Bis zum Anlegen blieb dann noch wenig Zeit, um den Bordshop zu erkunden.

    Seeland überrascht schon bei der Anreise

    Obwohl wir im weiteren Verlauf unserer Anreise die Inseln Lolland, Falster und Farø passieren mussten, gab es keine weitere Fährüberfahrt. Diese Inseln sind durch Brücken miteinander verbunden.

    Empfehlenswert für einen Urlaub auf Seeland ist die Mitnahme eines Navis. Das Autobahngewirr rund um Kopenhagen steht im krassen Gegensatz zu den beiden Autobahnen auf Jütland, wo man sich nur zwischen der E45 gen Norden und der E20 von Kolding nach Esbjerg entscheiden muss.

    Laubwald und große Seen

    Ca. 40 Kilometer, bevor wir die Küste von Nordseeland erreichten, endet die Autobahn und es folgte eine Fahrt durch den Gribskov, einem großen Waldgebiet westlich des Esrum Sø, das uns eher an eine Fahrt durch Schweden erinnerte.

    Es sollte nicht das einzige Mal sein, dass uns die Vielfalt Nordseelands überraschte und wir das Gefühl hatten, nicht nur ein Land zu erleben.

    Gemütlich und sehr dänisch: Nordseeland

    Angekommen im Ferienhausgebiet von Smidstrup, fast am nördlichsten Zipfel Seelands, fiel uns zuerst die dichte Bebauung auf. Ein Gewirr kleiner, geteerter Straßen führt zu den Häusern und ich bereute sofort, dass ich nicht das Laufrad und die Inline Skates eingepackt hatte. Im Gegensatz zu den Schotterpisten an der Nordsee boten die Wege hier optimale Bedingungen für beides.

    Die Grundstücke sind mal akkurat angelegt mit perfektem Fußballrasen, mal romantisch verwildert. Heckenrosen und Obstbäume scheinen aber in jeden Garten zu gehören, ausladende Büsche säumen die Grundstücksgrenzen.

    So entdeckten wir erst auf den zweiten Blick, dass unser Ferienhaus-Grundstück eingezäunt war, keine Seltenheit an der Ostsee. Welch ein Glück für Mensch und Tier! Irgendwo muss es aber ein kleines Schlupfloch gegeben haben, denn eines Abends spazierte ein Fuchs gemütlich durch unseren Garten.

    Dänisches Wochenendglück

    Ein Fahnenmast scheint hier zur Grundausstattung zu gehören, an den Wochenenden wehte der Dannebrog dort in einer leichten Brise. Ein sicheres Zeichen dafür, dass die Besitzer des Hauses anwesend sind, um dort ihre freien Stunden zu verbringen.

    Nur selten sahen wir einen Aufkleber an einem der Briefkästen, der auf die Vermietung des Ferienhauses durch einen externen Anbieter hätte hinweisen können. Ganz offensichtlich bleiben hier die Dänen gerne unter sich.

    Neue Erfahrung in alten Fischerdörfer

    Meine Annahme bestätigte sich auch beim Einkaufen. Ich war von der Nordseeküste gewohnt, mich allerorts auf Englisch und zumeist sogar auf Deutsch gut verständigen zu können, hier musste ich seit vielen Jahren mal wieder auf meinen kleinen dänischen Wortschatz zurückgreifen.

    Der erste Versuch, mein Brot auf Deutsch in der Bäckerei zu bestellen, schien die Bedienung sehr zu brüskieren. Aber auch mit Englisch kam ich häufig nicht weiter und so half nur das Lexikon, gepaart mit Gesten per Hand und Fuß.

    Meerblick im Supermarkt

    Bei unserem ersten Einkauf in einem Supermarkt in Gilleleje verschlug es uns sogar gänzlich die Sprache. Allerdings war es kein Däne, der uns so überraschte, sondern der Ausblick an der Kühltheke! Während man sich hier den tiefgefrorenen Fisch aussucht, bietet das gegenüberliegende Panoramafenster einen gigantischen Meerblick.

    Der Laden befindet sich direkt im Hafen, dessen Mole von vielen kleinen, roten Holzhäuschen gesäumt wird. Im Hafenbecken lagerten zahlreiche Jachten und das Klingeln der Fahnenmasten ließ bei uns ein mediterranes Urlaubsfeeling aufkommen.

    Strandgut im Vorgarten

    Die Straßen durch Gilleleje sind schmal und verwinkelt, so dass wir sie lieber zu Fuß durchliefen und dabei ausgiebig die Vorgärten bewundern konnten. Kleine, selbstgestaltete Skulpturen aus Strandgut und teils riesige Kränze aus Lochsteinen wurden hier ausgestellt.

    An jeder Biegung eine neue Überraschung: die dänischen Riviera

    An den folgenden Tagen waren wir viel unterwegs, obwohl unser Ferienhaus so gemütlich war, dass man gerne dort geblieben wäre. Die Eigentümerin hatte es liebevoll mit einem Stilmix aus französischem Chic und dänischer Hyggeligkeit eingerichtet. Das Spielhaus im Garten und Platz zum Toben für den Hund ließen uns die Stunden am Haus genießen.

    Aber die dänische Riviera, wie die Dänen den Küstenabschnitt zwischen Helsingør und Hundested nennen, wartete darauf, von uns entdeckt zu werden. Und wir entdeckten und staunten tatsächlich täglich aufs Neue! Alles erschien lieblicher, milder und nicht so wild und ungestüm wie an der Nordsee.

    Malerische Küstenstraße

    Die Ferienhausgebiete reihen sich an der Nordküste Seelands aneinander wie Perlen an einer Schnur. Schon eine Fahrt mit dem Auto entlang der Küstenstraße, die ihren Namen immer dem jeweiligen Ferienort anpasst – mal Villingebæk Strandvej, mal Munkerup Strandvej, mal Udsholt Strandvej – ist ein Erlebnis.

    Ein Fahrradweg verläuft ebenfalls parallel zur Küste. Ganz untrainiert sollte man dafür jedoch nicht sein, denn die Straße verläuft selten eben. Von den kleinen Anhöhen kann man immer mal wieder einen Blick auf das Wasser erhaschen. “Wer zuerst das Meer sieht” wurde unser beliebtes Urlaubsspiel. Den Straßenrand flankierten unzählige Butterblumen, die mit den Rapsfeldern im Inland um das schönste Gelb wetteiferten.

    Bucht an Bucht am Ostseestrand

    Spannend erschien uns auch jede Strandwanderung. Waren wir es von der Nordsee gewohnt, kilometerweit in beide Richtungen den Strand entlang schauen zu können, reichte unser Blick an der Ostsee häufig nur bis zur nächsten Biegung und man war gespannt, wie der nächste Küstenabschnitt aussehen würde.

    Ist er vor Smidstrup noch flach abfallend, sandig und mit zahlreichen Badestegen gespickt, türmt sich am Ende der Bucht von Udsholt eine Steilküste auf, so dass sich die Häuser im nächsten Ort in Rågeleje hoch erhoben über dem Meer befinden. Bei vielen bietet sich von der Terrasse aus eine fantastische Aussicht. Dafür muss man aber einen steilen Abstieg zum steinigen und schmalen Strand in Kauf nehmen.

    Hühnergötter

    Zudem hatte uns, angespornt durch die Kunstwerke in den Vorgärten von Gilleleje, das Sammelfieber gepackt, denn überall an den Stränden fanden wir so viele Hühnergötter (Lochsteine) wie nie zuvor.

    Mystisch und fast wie eine Miniaturausgabe der schottischen Highlands wirkte auf uns das Naturschutzgebiet Heatherhill Bakker bei Rågeleje. Hier wanderten wir durch eine grüne Hügellandschaft, geformt am Ende der letzten Eiszeit, bevor wir über einen kleinen Pfad hinunter an den Strand schlittern konnten.

    Wunderbare Ausflugsziele

    Wahrhaft Märchenhaftes entdeckten wir auf einem Ausflug ins Inland! Schloss Frederiksborg ist nur eines von vielen Anwesen, die zu einer Zeitreise einladen. Während die Kinder Prinzessin spielten und in Renaissancekleider schlüpfen durften, bewunderten wir 500 Jahre dänische Geschichte, erzählt von Gemälden und der Portraitgalerie vieler Königinnen und Könige des Landes.

    Ein ungewöhnliches Erlebnis erwartete uns auch in Hornbæk. Dort kann man nach einem Bummel durch die kleine Hafenstadt, bei dem ein Besuch im Geschäft der Designerin Ilse Jacobsen natürlich nicht fehlen darf, am Strand unter Palmen einen Kaffee trinken.

    Waldspaziergang zum Meer

    Traumhaft erschien uns der Spaziergang durch den Tisvilde Hegn. Eigentlich wollten wir nur die Asserbo Slotsruine besichtigen, welche uns jedoch auf den ersten Blick wenig spektakulär erschien. So beschlossen wir, lieber durch den Wald zum Strand zu wandern, der sich feinsandig und menschenleer zwischen den Badeorten Tisvildeleje und Liseleje auf einer Länge von fast 5 Kilometern erstreckt.

    Unbedingt empfehlenswert ist hier die Mitnahme einer Karte oder eines Kompasses, damit man auf den vielen Wegen durch den Wald nicht die Orientierung verliert. Wer dort rasten möchte, sollte nicht auf eine Picknickbank warten, sondern lieber die erstaunlich dicken und weichen Moosmatten als Pausenplatz auswählen.

    "Dass ich das noch erleben durfte"

    Viel zu schnell verflog die Zeit, der wir mit so viel Argwohn entgegengesehen hatten. Am Ende hatten wir das Gefühl, nicht nur einen weiteren Urlaub in Dänemark verbracht zu haben, sondern zum ersten Mal wirklich dänisch gelebt zu haben. Auf unserer Reise entlang der Küste Nordseelands trafen wir nur wenige Landsleute.

    Wir entdeckten, wie farbenfroh und vielfältig die dänische Vegetation sein kann. Wir haben mal wieder mit Verständigung per Hand und Fuß eingekauft und entdeckt, wo viele Dänen am liebsten ihre Freizeit verbringen: an der Ostsee.

    Voller neuer Eindrücke machten wir uns auf den Heimweg. Nach den ersten einhundert Kilometern durch Seeland waren wir glücklich, noch einmal auf die Ostsee sehen zu können. In diesem Moment ertönte es plötzlich von meinen Kindern hinten aus dem Auto: Ostsee wir lieben dich! Was von meiner Mutter mit einem tiefen Seufzer und einem gerührten "Dass ich das noch erleben durfte" kommentiert wurde.

    Von nun an geht es an die Ostsee

    Und so haben wir auch unsere letzten beiden Urlaube an der Ostsee verbracht, Juelsminde als weiteren Lieblingsort an der Ostküste Jütlands entdeckt und uns auf eine Zeitreise in "Den Gamle By" in Aarhus begeben. Nach Jahren der liebgewonnenen Urlaubsroutine an der Nordsee heißt es für uns nun: auf zu neuen Ostsee-Ufern.

    Autor: Eva Petersen