Aarhus, den lille storby

Aarhus, Dänemarks zweitgrößte Stadt, klingt für manch einen Urlauber nach „Den gamle By“, dem Museumsdorf, das zu den top Attraktionen in Dänemark zählt. Vor vierzig Jahren war es vielleicht einer der Hauptgründe, um den geliebten Strand zu verlassen und nach Aarhus zu fahren. Den gamle By ist sehenswert, keine Frage, doch diese Stadt hat so viel mehr zu bieten, auch wenn es nur eine kleine Großstadt (en lille storby) mit nicht mal 350.000 Einwohnern ist.

Autor:
Aktualisiert: Juli 2017
Bewerten Sie diesen Artikel
(13 Bewertungen)

Von Aros zum ARoS – eine kurze Stadtgeschichte

Straßenzug am Fluss Aa

Der Fluss Å und der hohe Dom prägen das Stadtbild von Aarhus

Aarhus ist wohl die zweitälteste Stadt Dänemarks, seine Gründung wird um das Jahr 770 vermutet. Ribe, offiziell die älteste Stadt Dänemarks, wurde auch in dieser Zeit gegründet, offenbar konnte es seinen Status als „älteste“ Stadt besser belegen.

Gegründet wurde Aarhus als Handelshafen. Die ursprüngliche Bezeichnung "Aros" bedeutet so viel wie Flussmündung, denn die Stadt entwickelte sich um die Mündung des Flüsschens Å in die Aarhus Bucht. Im Laufe der Jahre änderte sich der Name zu Århus (Haus am Fluss), die offizielle Schreibweise ist seit 2010 Aarhus, weil man fand, dass zwei lateinische Buchstaben international besser ankommen als das nordische Å.

Nachdem die Wikinger den Ort im Mittelalter mit Leben füllten und etwa 3.000 friedliche Bewohner Handel am Fluss trieben, passierte hier lange Zeit erst einmal nichts Spannendes. Erst im 18. Jahrhundert stieg die Bevölkerung langsam an und die Stadt wurde für Kaufleute als Handelsplatz interessant. Neue Straßen und Eisenbahnlinien, die stetige Erweiterung des Hafens und nicht zuletzt eine dänische Landesausstellung zu Beginn des 20. Jahrhunderts bewirkten, dass aus dem Wikingerdorf an der Å die größte Stadt in Jütland und die zweitgrößte Stadt des Landes wurde.

Neben dem Handelshafen prägte im 20. Jahrhundert vor allem die Universität mit ihren Studenten das Stadtbild. Die Universität Aarhus, an der auch Königin Margrethe II und Kronprinz Frederik studiert haben, wäre mit etwa 45.000 Studenten sogar in Deutschland die viertgrößte Präsenzuniversität, in Dänemark ist sie natürlich die größte.

Aula der Aarhus Universität

Immer noch mal angebaut: Die Aula der Universität

Die Hochschule wurde erst 1928 gegründet und bekam 1930 einen wunderbaren Park im Stadtgebiet zur Verfügung gestellt, um dort einen, bis heute unverändert einheitlichen, Gebäudekomplex zu errichten. Alle Gebäude sind aus gelbem Klinker gemauert, selbst die Fußwege, die Studentenwohnheime und auch die neuen Gebäude, mit denen der alte Campus erweitert wird. Dazwischen liegt ein grüner Park mit einem lauschigen See und vielen Studenten, die hier in Ruhe lesen, träumen oder auch mal feiern dürfen.

Das größte Gebäude mit der Verwaltung und dem großen Hörsaal wirkt etwas überladen im Vergleich zu den sonst recht schlichten Gebäuden. Als im Zweiten Weltkrieg die deutschen Besatzer hier ihr Hauptquartier einrichteten, waren die Bauarbeiten noch im Gange und man zögerte diese mit immer neuen Anbauten und Verzierungen hinaus, um die ungeliebten Gäste möglichst oft und lange zu stören.

Die Kommune Aarhus hat heute 330.000 Einwohner, in der Kernstadt leben etwa 265.000 Menschen. Dazu reisen jährlich etwa 700.000 Touristen aus aller Welt an. Der Titel Kulturhauptstadt Europas 2017 wird die Attraktivität der Metropole noch steigern. Vermutlich steigt auch die Bevölkerungszahl noch weiter an, denn das Stadtbild entwickelt sich rasant zu einer modernen Metropole, die den Vergleich mit Kopenhagen nicht scheuen muss.

Somewhere under the rainbow: Das ARoS Kunstmuseum

Somewhere under the rainbow: Das ARoS Kunstmuseum

Über die Kunst schließt sich der Kreis zu Aros, denn die alte Bezeichnung wurde als neuer Name für das ARoS Kunstmuseum wieder aufgegriffen. Bis zum Jahr 2004 verteilten sich die Kunstsammlungen der Stadt auf drei verschiedene Gebäude, mit dem Neubau an der Aros Allé konnten alle Kunstschätze unter einem Dach vereinigt werden. Der mächtige, rote Klinkerwürfel wurde vom Architekturbüro schmidt hammer lassen gestaltet und gilt als das größte Kunstmuseum Europas. Zehn prall gefüllte Etagen gipfeln seit 2011 in einem weithin sichtbaren Kunstwerk auf dem Dach – das begehbare Regenbogenpanorama von Olafur Eliasson. Die Architekten sind für spektakuläre Kulturbauten bekannt, das DOKK1, der Bibliothek in Kopenhagen oder die Kulturinsel in Middelfart auf Nordfünen sind nur einige ihrer berühmten Werke.

Das Jahr 2017 ist in Aarhus geprägt von kulturellen Highlights, da es sowohl zur Europäischen Kulturhauptstadt als auch zur Europäischen Region der Gastronomie ernannt wurde. Einige Erlebnisse aus diesem Veranstaltungsjahr werden auch in den Folgejahren noch weiterwirken.

Videos unserer Kunden

  • Sommer am Ajstrup Strand

    Video starten

    Ajstrup Strand liegt südlich von Aarhus und man hat nicht nur das klare, blaue Wasser der Ostsee direkt vor derTür, sondern auch viele interessante Ausflugsziele in der näheren Umgebu…

    sommer aarhus ostjutland
  • Aarhus und Den Gamle By

    Video starten

    Das Museumsdorf Den Gamle By ist eine der Top-Attraktionen in Dänemark, die man besonders mit Kindern nicht versäumen sollte.

    fruehling ebeltoft museum aarhus ostjutland
  • Ostjütland von oben

    Video starten

    Das Moesgaard Museum bei Aarhus ist ein historisches Museum in einem hochmodernen Prachtbau! Die tollen Strände der Umgebung sind ebenso sehenswert, ein tolles Ausflugsziel für die gan…

    aarhus von-oben ostjutland

Der Stadtentwicklungsplan

Der Hafen von Aarhus lag ursprünglich am Fluss Å. Mitte des 19. Jahrhunderts merkte man, dass große Schiffe wohl mehr Platz benötigen und der Hafen zog mit zwei neuen Hafenbecken in die offene Aarhus Bucht um. Dort entwickelte er sich zum wichtigsten Containerhafen des Landes mit insgesamt vier Hafenbecken. Aber die Schiffe wurden immer größer und nicht unbedingt schöner, also entschied die Stadtverwaltung 2003, die zentrumsnahe Hafenfront den Bürgern der Stadt zurückzugeben und neu zu gestalten.

Ausblick auf den ehemaligen Hafen

DOKK1: Wo früher Frachter lagen, ist nun Platz für Spielflächen

Das zentrale Gebäude dieses Stadtentwicklungsplans ist das DOKK1 an der Mündung der Aarhus Å. Es wurde 2015 eröffnet und vereint alles, was man als Bürger von einer Stadt erwarten kann, in einem wunderschönen Komplex. Ein Bürgerbüro, die großartige Bibliothek, Kunstausstellungen, ein Café, Spielflächen innen und außen und eine unverbaute Aussicht über die Hafenregion lassen Bürger anderer Städte vor Neid erblassen. Das Areal rund um das DOKK1 ist eine Fußgängerzone mit Anbindung an die schon bestehenden Fußwege entlang der Å mit ihren vielen Restaurants und Cafés. Die Fläche am Hafen steht nun für Spiel und Sport zur Verfügung, insgesamt wurde ein Areal von etwa vier Fußballplätzen zur Freizeitfläche umgestaltet.

In Richtung Nordhafen entstand ein neuer Jachthafen, umgeben von luxuriösen Wohnanlagen. Architekturinteressierten Besuchern sei eine Stadtführung in dieses Gebiet empfohlen, deren ungewöhnlichstes Gebäude wohl der Wohnkomplex Isbjerget (Eisberg) ist. Ebenfalls neu sind die Architekturschule, das Forschungszentrum Navitas, ein Hafenschwimmbad sowie der Spiel- und Sportpark Ø-Haven. Damit die Verkehrsanbindung klimafreundlich ist, wird ein neues Stadtbahnkonzept umgesetzt. Die sogenannte Letbane verkehrt auf einem eigenen Schienennetz und bietet U-Bahn-Komfort über der Erde.

Drei Stadtteile, drei Zentren

Gasthaus Sjette Frederiks Kro im Riis Skov

Speisen im Grünen mit Meerblick im Sjette Frederiks Kro

Das Zentrum von Aarhus, in dem sich das öffentliche Leben abspielt und der Besucher einen Eindruck von der Vielfalt der Stadt bekommt, bilden die Stadtteile Frederiksberg, Midbyen und Latinerkvarteret. Südlich von Frederiksberg schließt sich ein kilometerlanger Küstenwald an, in dem das Tivoli Friheden, der Mindepark mit dem Marselisborg Schloss und außerhalb der Stadtgrenze dann der Moesgård Wald liegen. Nördlich des Latinerkvarteret liegt der Vorort Trøjborg mit einem alten Fischerei- und Jachthafen und dem Wald Riis Skov an der Bucht.

Mitten im hügeligen Riis Skov steht die Jugendherberge und zu seinen Füßen trifft sich im Sommer die Bevölkerung am Strandbad Den Permanente. Der Riis Skov ist seit über 200 Jahren ein beliebtes Ziel im Grünen. Mit Pferdekutschen und Segelbooten fuhren damals die Ausflügler zu den Waldgaststätten, wo sie bei Musik und Speisen die Sommernachmittage verbrachten. Das schöne Strandgasthaus Sjette Frederiks Kro führt diese Tradition zumindest kulinarisch noch heute fort, damals hieß das Lokal allerdings "Salonen".

Midtbyen

Midtbyen heißt das Stadtzentrum rechts und links der Aarhus Å, die vom Mølleparken an der Vester Allé bis zum DOKK1 quer durchs Zentrum fließt, auf beiden Seiten begleitet vom Åboulevarden. Am nördlichen Ufer ist der Åboulevarden ein Fußweg, am Südufer dürfen bis zum Parkhaus am Kaufhaus Magazin noch Autos fahren. Da die Sonne mehr auf das Nordufer scheint, ist dieses Ufer gesäumt von Restaurants, Cafés und Eisdielen.

Straßenzug am Fluss Aa

Das Flüsschen Å lockt bei Sonne in die Cafés am Åboulevard

An der Sankt Clemens Bro kreuzt die Fußgängerzone Søndergade den Fluss, sie reicht vom Bahnhof im Süden bis zum Latinerkvarteret im Norden. Es ist eine typische Einkaufsmeile, die wie in Kopenhagen "Strøget" genannt wird. Alle großen Handelsketten sind vertreten, dazwischen ein paar kleine Geschäfte, Imbissbuden und so fort. Der Åboulevarden fließt eine Etage unterhalb der Einkaufsstraße, von den Brücken kann man das muntere Treiben unten recht gut beobachten und nach dem besten Sonnenplatz Ausschau halten.

In der Nähe des Bahnhofs steht das Rathaus von Aarhus. Es wurde in den 40er Jahren nach Plänen von Arne Jacobsen und Erik Møller gebaut. Das funktionalistische Gebäude wurde aus Beton gegossen, mit norwegischem Marmor verkleidet und es ist ein wunderbares Beispiel für das Bauhaus-Prinzip „form follows function“. Gradlinig und grau von außen, elegant, hell und luftig von innen ist es auch heute noch ein hochmodernes Gebäude, in dem man sich gern aufhält. Der 60 Meter hohe Turm war ursprünglich nicht vorgesehen, aber die Bürger haben sich durchgesetzt und nun ist der markante Turm mit der großen Uhr ein weithin sichtbares Beispiel für dänisches Design. Das Bauwerk steht seit 1994 unter Denkmalschutz und kann jederzeit besichtigt werden.

In der Frederiksgade 72 lohnt der Blick durch das mächtige Holztor der Jyllands Gården, einem alten Bürogebäude, in dem heute eine Anwaltskanzlei sitzt. Früher war hier wohl einmal ein Büro der Tageszeitung Jyllandsposten, denn im Durchgang zum Innenhof hängen Titelseiten der Zeitung mit den bewegendsten Ereignissen der vergangenen Jahrzehnte von der Gründung des Deutschen Kaiserreiches 1871 über die erste Mondlandung bis zur deutschen Wiedervereinigung.

Der mächtige Dom zu Aarhus

Der mächtige Dom zu Aarhus

Am anderen Ende der Fußgängerzone steht die Aarhus Domkirke mit dem höchsten Kirchturm Dänemarks, eingerahmt vom Bispetorvet und dem Storetorv, auf dem allerlei Märkte und Sportveranstaltungen stattfinden. Am Wochenende lädt ein Plakat zu öffentlichen Yogastunden ein, nebenan gibt es Köstlichkeiten auf dem kleinen Bio-Markt. Am Bispetorvet steht auch das Aarhus Theater, dessen Jugendstilbau mit einer prächtigen Fassade glänzt. Ein großer Pub und ein Steakhouse servieren Speis und Trank, die Besucher auf den vielen Bänken am Bispetrovet bringen ihre Verpflegung jedoch eher selber mit.

Das Café Hack im Nebengebäude des Theaters bietet abends ab und an kleine Konzerte bei Wein und Kerzenschein, der Name des Lokals erinnert an den Architekten Hack Kampmann, der als Königlicher Baumeister das schöne Theatergebäude Ende des 19. Jahrhunderts entwarf.

Hinter dem Theater in der Skolegade findet man die ältesten Fachwerkhäuser der Stadt mit traditionsreichen Kneipen, die in Dänemark Værtshus heißen. Ein Værtshus ist eine Bar, in der man sich gern schon morgens zum Trinken und Rauchen trifft. Tagsüber sitzen dort eher ältere Semester, abends kommen dann die jungen Leute und füllen die Bars und Straßen bis zum frühen Morgen mit Leben.

Im Keller der Nordea Bank zwischen Bispetorv und Skt. Clemenstorv ermöglicht das Wikinger Museum einen Blick auf die Ursprünge der Stadt im 8. Jahrhundert, denn an dieser Stelle befand sich schon vor mehr als 1.200 Jahren das Zentrum von Aarhus. Der Eintritt zu dieser Ausstellung mit Fundstücken aus der frühsten Geschichte Dänemarks ist frei.

Die Domkirke oder Sankt Clemens Kirke mit Platz für 1.200 Menschen ist ein Kirchenbau der Superlative: Der gewaltige Turm ist mit fast 93 Metern ebenso hoch wie der Dom lang ist. Es ist Dänemarks größte Kirche mit dem höchsten Buntglasfenster, dem größten Bildnis des Schutzheiligen Skt. Clemens, dem größten Schiffsmodell in einer dänischen Kirche und noch einigen weiteren Rekorden. Die imposante Kirche ist innen wie außen sehr sehenswert und kann täglich von 10 bis 15 Uhr besichtigt werden, im Sommerhalbjahr auch etwas länger. Noch ein Wert für Statistikfans: Die offizielle Höhenmessung in Dänemark "Dansk vertikal Reference", was dem deutschen Normalhöhennull entspricht, orientiert sich an einem Referenzpunkt in etwa 5 Metern Höhe im Kirchturm.

Ein Ausblick in allen Farben vom ARoS-Dach

Ein Ausblick in allen Farben vom ARoS-Dach

Weithin sichtbar ist auch das schon erwähnte ARoS Kunstmuseum, weil auf seinem Dach ein 150 Meter langer, regenbogenfarbiger Rundgang thront, der nachts indirekt beleuchtet wird. Das Museum ist mittwochs bis 22 Uhr geöffnet, so dass sich auch im Sommer die Möglichkeit bietet, in einem erleuchteten Regenbogen spazieren zu gehen. Bei Tag schaut man durch die farbigen Glaswände auf die Stadt und kann dabei die Stimmung selbst entscheiden - lieber ein leuchtend roter Blick auf die Stadt fürs Herz oder etwas kühlere, blaue Aussichten? Unterhalb des Panoramas auf der Dachterrasse laden Sitzplätze an der Sonne ein, die vielfältigen Kunsteindrücke aus den unteren neun Etagen zu verdauen. Zum Museumscafé im Erdgeschoss ist der Eintritt frei, dort bekommt man zumindest einen Eindruck von der Architektur dieses Prachbaus.

Auch die Nachbarschaft des Museums ist ganz der Kunst und Kultur gewidmet. Nebenan glänzt das Musikhuset, ein verglaster Bau für Musik aus allen Genres. Natürlich ist es der größte Musiksaal im Norden! Bei Dunkelheit leuchtet die Glasfront wie ein Goldstück, das sich in den Wasserbecken auf dem Vorplatz spiegelt. Hier spielen, tanzen und singen Größen aus aller Welt. Kostenlose Konzerte bestreiten zum Beispiel Schüler des benachbarten Jyske Musikkonservatoriums. Auch das Tanztheater Bora Bora und das Kulturzentrum Godsbanen gruppieren sich um den Platz. Godsbanen war einst ein Güterbahnhof, der mit einem interessanten Neubau zu einem Kunst- und Kulturhaus umgebaut wurde. Workshops, Lesungen und Ausstellungen, die nicht auf die großen Bühnen ins herkömmliche Kunstverständnis passen, werden hier gelebt und gezeigt. Auch ohne Dänischkenntnisse lohnt sich ein Besuch des architektonisch sehenswerten Ensembles. Rund um die Kulturfläche ist autofreie Zone. Ein hübscher Park und viele Bänke laden die Bürger ein, Kultur immer in nächster Nähe zu spüren. Hinter dem ARoS findet man Parkplätze, deren Gebühr zu den günstigeren im Stadtzentrum gehören.

Latinerkvarteret

Nach so viel Kultur wird es Zeit für Müßiggang. Falls man die eher massentaugliche Gastronomie am Åboulevarden nicht ganz so gemütlich findet, ist das alte Latinerkvarteret genau das Richtige. Das Quartier beginnt nördlich der beiden großen Kirchen Domkirke und Vor Frue Kirke, welche im Mittelalter den Dom von Aarhus darstellte. Ein schöner Weg zum Latinerkvarteter ist der Møllestien. Die kleine Kopfsteinpflastergasse mit bunten Häuschen und Stockrosen beginnt hinter dem Mølleparken.

Kaffeebars und kleine Läden beleben das Latinerkvarteret

Kaffeebars und kleine Läden beleben das Latinerkvarteret

Die Vor Frue Kirke ist heute eine evangelische Kirche mit einem kunstvollen Flügelaltar und farbenprächtigen Mosaikfenstern. Unter dem Gebäude fand man die Überreste der ersten, steinernen Krypta von etwa 1060, in ihr werden ab und an besondere Gottesdienste abgehalten. Im 13. Jahrhundert beschloss Bischof Peter Vognesen, einen neuen Dom an anderer Stelle zu erbauen und über der mittelalterlichen Krypta wurde ein Dominikanerkloster errichtet. Es bestand bis zur Reformation und bildete das Zentrum von Aarhus ältestem Stadtteil, dem Latinerkvarteret. Straßennamen wie Klostertorvet, Guldsmedegade oder Badstuegade erinnern an das Leben damals.

Heute findet man hier die schönsten Cafés entlang der schmalen Gassen, dazwischen hübsche Boutiquen, Feinkostgeschäfte und immer lebendiges Treiben. Auch wenn die Universität etwas außerhalb liegt, ist dieser Stadtteil das eigentliche Studentenviertel. Das Casablanca in der Rosengade soll das Stammlokal von Kronprinz Frederik während seiner Studentenzeit gewesen sein, die kleine Grünfläche gegenüber ist des Nachts ein beliebter Treffpunkt der heutigen Jugend. Das Museum zur deutschen Besatzung und das Frauenmuseum rahmen den Platz ein. Beliebte Bars sind auch die Raucherkneipe Ris Ras, das Café Engelen oder die immer volle Bar Café Drudenfuss, sehr gut und gemütlich Fisch essen kann man im Restaurant Mefisto in der Gasse Volden.

Frederiksberg

Ob der Kronprinz in Frederiksberg gewohnt hat, ist nicht überliefert, aber wer hier wohnt, hat es sehr gut getroffen. Das Viertel beginnt südlich vom Bahnhof und wird auch der „Brotkorb“ von Aarhus genannt, weil es hier so viele Feinkostgeschäfte gibt. Dazwischen bieten Kunsthandwerker und kleine Boutiquen das passende Geschirr und Wohnaccessoires an. Das Viertel wurde im 19. Jahrhundert angelegt, als Aarhus seine erste Eisenbahnlinie bekam.

Der beliebte Wochenmarkt auf dem Ingerslev Boulevard

Der beliebte Wochenmarkt auf dem Ingerslev Boulevard

Der Mittelpunkt des Stadtteils ist der Ingerslev Boulevard, eine breite Allee, auf der jeden Mittwoch und Samstag ein stimmungsvoller Wochenmarkt stattfindet. Die mehrstöckigen Bürgerhäuser mit blühenden Vorgärten sind ein beliebter Wohnort für Familien. Vis á vis des Marktes steht die moderne Skt. Lucas Kirke aus den 20er Jahren, die um 2000 mit einem ebenfalls sehr eleganten Gemeindehaus erweitert wurde. Etwas älter ist die Skt. Pauls Kirke, die entgegen der üblichen Ausrichtung von Ost nach West nach Norden zum Stadtzentrum zeigt. Es war die Bedingung des Spenders M.P. Bruuns für ihren Bau. Hinter der Kirche lädt ein grafisch angeordnetes Ensemble aus Hecken und Bänken zum Ausruhen ein. Ein paar Meter weiter liegt der Skanseparken mit Spielgeräten und einem Gemüsegarten. Die WG-Einrichtung aus den 70er Jahren im Museum Den Gamle By stammt aus einem Wohnhaus am Skansen. Hier wohnten wohl schon immer Bürger, die die Gestaltung ihrer Stadt nicht allein der Verwaltung überlassen wollten.

Zwischen Bahnhof und Frederiksberg steht die Bruuns Galerie, nicht etwa ein weiterer Kunsttempel, sondern ein neues Einkaufszentrum mit einem beliebten Selbstbedienungsrestaurant in der oberen Etage, wo man gut und günstig speisen kann.

Den Gamle By und der Botanische Garten

Den Gamle By ist ein liebevoll nachgebautes Museumsdorf

Den Gamle By ist ein liebevoll nachgebautes Museumsdorf

Das Freilichtmuseum Den Gamle By ist eine nachgebaute, kleine Stadt im Botanischen Garten westlich vom Latinerkvarteret und vom Zentrum aus gut zu Fuß erreichbar. Der Botanische Garten ist frei zugänglich, auch sein Gewächshaus mit einer Pflanzensammlung aus vier verschiedenen Klimazonen. Die Anlage gehört zu den Naturwissenschaftlichen Museen der Universität und wird von fachkundigen Mitarbeitern gepflegt. Die Aarhusianer nutzen diesen schönen, leicht hügeligen Park mit vielen verborgenen Nischen als grünen Picknickplatz.

Im den Gamle By kann man viele Stunden verbringen und dabei durch drei Jahrhunderte Stadt- und Gesellschaftsentwicklung wandern. Alle Gebäude sind Originale, die an ihrem ursprünglichen Standort abgebaut und hier in perfekter Umgebung neu aufgebaut wurden. Der Rundgang führt vorbei an Handwerkerhäusern und einem prächtigen Münzmeisterhof aus dem 18. und 19. Jahrhundert, durch eine kleine Siedlung aus den 1920er Jahren und zu einer Straßenzeile aus den 70ern, die vielen Besuchern wie ein Ausflug in ihre Kindheit vorkommen wird. Ein Spielzeugmuseum, ein Plakatmuseum und verschiedene kleine Ausstellungen sind in den alten Gebäuden zu besichtigen. Alle Häuser sind voll möbliert, in einigen wird gearbeitet, man kann beim Zuckerbäcker nostalgische Bonbons kaufen oder im Jazzkeller aus den 70ern Livemusik hören.

Der Universitätspark

Park und See der Aarhus Universität

Studieren im Grünen, mitten in Aarhus

Die Aarhus Universität wurde ursprünglich als private Hochschule gegründet und erst seit 1970 als staatliche Hochschule geführt. Sie zählt zu den 100 besten Universitäten weltweit und umfasst 27 Fakultäten aus allen Wissenschaftsbereichen. Auch die Besucher können hier forschen und lernen, das Steno Museum und das Naturhistorische Museum haben beide ihren Standort im Universitätspark. Im Steno Museum geht es vor allem um wissenschaftliche Erkenntnisse, um Naturgesetze und medizinische Themen. Ein Planetarium mit einer Sternwarte im Stadtteil Højbjerg und ein großer Garten mit Heilpflanzen runden das Angebot ab.

Das Naturhistorische Museum hat seinen Hauptsitz am Rande des Universitätsparks. Mit mehr als 500 verschiedenen Tierexponaten und seiner kindgerechten Präsentation wurde es bereits zum kinderfreundlichsten Museum von Aarhus gekürt, aber auch Erwachsene können viel lernen. Die Entwicklungsgeschichte der Erde, Überlebensstrategien der Tiere oder die Natur rund um Aarhus sind nur einige der vielen Themen. Das Museumsteam bietet auch geführte Wanderungen in die Umgebung an. Eine Außenstelle ist das Mols Laboratorium im Nationalpark Mols Bjerge in der Nähe von Ebeltoft.

Etwa eine halbe Stunde dauert ein Spaziergang durch das schöne Gelände, vorbei am idyllischen See und an allen Gebäuden der Hochschule. Hier fahren keine Autos, das Wasser glänzt in der Sonne und der Wind streicht durch die Weiden – so schön kann studieren sein! Eine Fotoausstellung am Weg präsentiert die Ergebnisse eines Fotowettbewerbs zur Natur in und um Aarhus.

Neues Leben am alten Hafen

DOKK1, der Blickfang an der Hafenfront, ist zwar Bibliothek und Bürgerbüro für die Anwohner der Stadt, aber es ist ebenso spannend für Besucher, vor allem mit Kindern. Die Bibliothek hat eine einmalig große und schöne Kinderabteilung, zudem mit der schönsten Aussicht über den Hafen. Verschiedene, großzügige Spielecken zum Bauen, Verkleiden, Malen oder Basteln darf jeder nutzen.

Viel Platz und tolle Aussicht in der Bibliothek im DOKK1

Viel Platz und tolle Aussicht in der Bibliothek im DOKK1

Die Buchsammlung umfasst auch deutsche, englische oder französische Kinderbücher. Für Jugendliche gibt es eine eigene, abgeschirmte Nische mit Liegesesseln, Videospielen und Gesellschaftsspielen. Wer nur mal eine Pause braucht, lässt sich in die gemütlichen Sessel am Fenster nieder und genießt die Aussicht. Falls der Gong ertönt, ist in einem Krankenhaus in Aarhus ein Baby geboren. Die riesige Stahlröhre in der Kinderabteilung ist ein Kunstwerk zu Ehren aller Kinder und ganz nebenbei auch der größte Gong der Welt. In jeder Geburtsabteilung der Stadt können Eltern den Glockenschlag auslösen, wenn ihr Baby das Licht der Welt erblickt hat. Alle Angebote der Bibliothek sind kostenlos, auch das W-LAN, für das man an der Touristeninformation im Eingangsbereich ein Kennwort bekommt. Es gilt für alle Hotspots der Stadt. Die Bibliothek befindet sich in der ersten Etage, außen herum läuft ein breiter Balkon mit mehreren Spielplätzen, die als Reise um die Welt angelegt sind. Hier lässt sich auch bei Regen im Trockenen toben, denn der Balkon ist überdacht.

Südlich vom DOKK1 beginnt eine Straße, die Spanien heißt. Daher heißt das große Schwimmbad hier auch Badeanstalten Spanien. Das Bad wurde 1933 eröffnet, die hohe Schwimmhalle mit dem Sportbecken ist noch genauso schön wie damals. Ein besonders warmes Babybecken und eine Spa-Abteilung mit Whirlpool sind später dazu gekommen, um den heutigen Ansprüchen an ein schönes Schwimmbad zu genügen.

Hat man sich müde geplanscht, kann man bei Aarhus Streetfood hinter dem Busbahnhof seinen Hunger mit internationalen Köstlichkeiten stillen. Auf dem Freigelände am Sydhavn zwischen der Jægergårdsgade und Spanien kann man (noch) kostenlos parken.

Rund um die Aarhus Bucht

Aarhus liegt an der schon seit jeher wohlhabenden Ostküste von Jütland, eingebettet zwischen den höchsten Hügeln im Seenhochland und den in die Aarhus Bucht ragenden Halbinseln des Djursland mit dem Nationalpark Mols Bjerge. Die Küste vor Aarhus ist nicht flach, sondern hebt vom Flüsschen Å nach Nord und Süd etwas an, wodurch die breiten Waldgebiete am Meer besonders schön zum Wandern und Radfahren sind.

Die Achterbahn im Freizeitpark Tivoli friheden

Freizeitspass im Tivoli Friheden

Nach Süden hin führt die Küstenstraße vom Hafen zunächst am Mindeparken vorbei, in dem der Freizeitpark Tivoli Friheden liegt. Er ist wesentlich kleiner als sein großer Bruder in Kopenhagen, aber auch etwas günstiger und gemütlicher. Die meisten Fahrgeschäfte sind für Kinder geeignet. Freitags finden Open Air-Konzerte statt, es gibt reichlich zu essen und zu trinken und im Konzertsaal Hermans wird auch außerhalb der Saison Programm geboten. Tivoli Friheden hat von April bis September, zu Halloween und über Weihnachten geöffnet. Vor dem Haupteingang steht der kleine Imbiss Skovytten, der bei Abendveranstaltungen den Grill aufbaut und an hübsch geschmückten Tischen serviert. Von dort kann man das fröhliche Treiben im Park beobachten, ohne Eintritt zu zahlen.

Der Mindeparken geht über in den großen Marselisborg Skov mit dem Landschaftspark des Marselisborg Slot. Als Sommerschloss des dänischen Königshauses wird es nach wie vor in den Ferien von der königlichen Familie bewohnt. Das dänische Volk schenkte dem Thronfolgerpaar Christian und Alexandrine das Schloss 1898 zur Hochzeit, Königin Margrethe II bekam das Schloss 1967 ebenfalls zur Hochzeit von ihrem Vater geschenkt. Der Schlosspark und der Rosengarten stehen offen, wenn das Königspaar nicht anwesend ist. Wenn sie im Schloss weilen, findet jeden Mittag um halb 12 wie in Kopenhagen der berühmte Wachwechsel vor dem Schloss statt. Der Mindepark ist immer für Publikum geöffnet, ebenso wie der Marselisborg Tierpark weiter südlich. Hier grasen Sika- und Dammhirsche auf den Wiesen und Wildschweine durchforsten ihr eingezäuntes Gehege nach Leckereien.

Marselisborg Slot, Sommerfrische der Königin

Marselisborg Slot, Sommerfrische der Königin

Schlussendlich führt der Strandskovvejen dann in den größten zusammenhängenden Uferwald, in dem auch das Moesgaard Museum steht. Früher war es in dem großen Gutshof Moesgård untergebracht, vor ein paar Jahren bekam es einen prächtigen Neubau mit einem großen, begrünten Dach, auf dem man liegen und in die Landschaft schauen darf. Der alte Hof ist heute mit den Fakultäten für Archäologie und Anthropologie ein Teil der Universität Aarhus. Eine perfekte Kombination mit dem Museum, dessen Ausstellung von der Entwicklungsgeschichte der Menschheit handelt. Mit dem Grauballe-Mann zählt sogar ein echter Vertreter der Eisenzeit zu seinen Bewohnern.

Das Restaurant Skovmølle in einer hübsch gelegenen Wassermühle mit einem gemütlichen Biergarten gehört ebenfalls zum Moesgård Museum, die Speisekarte orientiert sich eher an moderner skandinavischer Kochkunst. Günstig speist man am Moesgård Strand, denn hier gibt es nur Eis und Fast Food. Trotzdem ist der Strand mit dem Kiosk ein sehr beliebtes Ausflugsziel. Jedes Jahr im Juli organisiert das Moesgaard Museum hier ein großes Wikingertreffen. Der Strand ist sandig und liegt geschützt in einer Bucht, dahinter laden weitläufige Wiesen am Hang zum Sonnenbaden ein. Verschiedene Wanderwege führen in den umliegenden Wald.

Versteckt an einer ziemlich steilen Treppe zum Strand liegt das Gasthaus Ørnereden. Eigentlich ist es nur ein Imbiss, der bei schönem Wetter zwischen April bis September öffnet. Ørnereden heißt Adlernest, denn im Jahr 1860 soll in einem der Bäume ein Adlerpaar genistet haben. Heute ist hier ein Naturspielplatz mit einigen Info-Tafeln (auf Dänisch), verschiedene Naturmaterialien bieten sich zum Spielen und Klettern an und der Strand ist schmal, aber sandig. Ein wilder, schöner Wald-Badeplatz!

Praktische Infos zum Stadtbesuch

Die Aarhus Card ist ein Angebot für Besucher, die sich ein oder zwei Tage Aarhus ganz in Ruhe anschauen und dabei sparen wollen. Sie kostet etwa € 40 für 24 Stunden und € 60 pro Person für zwei Tage. Mit der Karte kann man kostenlos die Stadtbusse nutzen und hat freien Eintritt zu den meisten Attraktionen inder Stadt.

Ein Ticket für den öffentlichen Stadtbus kostet regulär 20 DKK, ein Parkticket an Wochentagen zwischen 10 und 20 DKK pro Stunde. Bei den Bussen ist der Einstieg übrigens hinten und vorn verlässt man den Bus wieder, für den Ticketautomaten braucht man Kleingeld, Karten werden entgegen der dänischen Vorliebe für Plastikgeld im Bus (noch) nicht akzeptiert.

Fahrräder und geführte Touren gibt es bei Cycling Aarhus

Fahrräder und geführte Touren gibt es bei Cycling Aarhus

Aarhus lässt sich prima mit dem Fahrrad erkunden, vor allem, weil man damit auch die schönen Wege entlang der Küstenwälder erreicht. Fahrräder in verschiedenen Ausführungen vermietet Cycling Aarhus in der Frederiksgade 78. Durch den Torbogen geht es auf den Hinterhof, dort wartet eine lange Reihe Fahrräder in allen Größen und Farben. Die schicken, roten Räder mit dem Aufdruck Cycling-Aarhus bekommt man, wenn man eine Fahrradtour bucht. Es gibt verschiedene Thementouren mit einem netten Guide, auch in kleinen Gruppen. Gegen eine Pfandgebühr von 20 DKK darf man die kostenlosen City Bikes (Bycykel) an verschiedenen Radstationen leihen, man muss sich aber vorher im Internet registrieren.

Aarhus Guiderne bietet Stadtspaziergänge und Rathausführungen an, auch Touren durch die Mols Bjerge gehören zum Angebot. Die Termine stehen im Internet, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Einen tollen, englischen Stadtführer für Aarhus hat der Buchhändler Jørgen Hansen geschrieben: „The Indispensable Guide to Aarhus“. Jørgen verkauft ihn in seinem Buchladen Bog & Idé an der Sønder Allé gleich neben dem Rathaus. Das Büchlein erzählt ein wenig über die Geschichte und das Leben der Stadt und bietet sieben verschiedene, lohnenswerte Stadtspaziergänge an.

Autor:
Aktualisiert: Juli 2017
Bewerten Sie diesen Artikel
(13 Bewertungen)