Königin Margrethe II besucht Fejø

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Die Königin bei ihrer Ankunft am Jachthafen auf Fejø - Foto: Henrik Hildebrandt

Am 31.8.2022 besuchte Königin Margrethe II zum zweiten Mal meine Heimatinsel Fejø. Sie hat sich diesmal eine Obstplantage, die Schule sowie ein Weingut angeschaut und ich durfte als "Presse" dabei sein.

Mit der Königin auf einer Südseeinsel

Gibt es eine Sache die Dänen vereint, dann die Liebe zu unserer Königin Margrethe II und zum Königshaus allgemein. Da bin ich keine Ausnahme und als ich erfuhr, dass die Königin im August meine Heimatinsel Fejø besuchen würde, dachte ich sofort: Die Chance ist da, greif zu. Beim ersten Besuch 1979 war ich weit weg auf einer Internatsschule und beim nächsten royalen Besuch auf der Insel werden (statistisch gesehen) weder ich noch die Königin dabei sein. Dann kam die Idee, mich als Presse zu bewerben, um den Besuch für unsere Kunden, die alle Dänemarkfans sein dürften, festzuhalten und so ist dieser Artikel entstanden.

Ankunft am Fährhafen und Sightseeing mit dem Bus

Es war einfach perfekt, besser geht es mit dem Wetter in Dänemark nicht: 20 Grad, blauer Himmer und eine leichte Brise aus Nordost. Das Königsschiff Dannebrog lag etwa eine Seemeile entfernt vor Anker. Die Königin kam im Fährhafen mit ihrer Chalup an und wurde vom Bürgermeister der Lolland Kommune begrüßt.

Natürlich gab es einen schönen Blumenstrauß, von einem Mädchen überreicht. Anschließend fuhr die Königin im eigenen Bus weiter, die Presse in einem anderen, mit einem Mitarbeiter aus dem Königshaus als Begleiter.

Obstbauer Jensen

Die Insel Fejø ist für seine Obstplantagen bekannt und erster Halt war bei Obstbauer Jensen, der mehrere Supermarktketten beliefert und über hochmoderne Pack- und Aufbewahrungsanlagen verfügt. In der Saison beschäftigt er etwa 60 Erntehelfer aus ganz Europa, von Portugal bis Polen. Viele verbringen immer wieder den Sommer auf Fejø und beleben die kleine Insel.

Alle waren sie da, haben die Königin begrüßt und ihr zugewunken, nachdem sie im Obstgarten ein längeres Gespräch mit dem Obstbauern hatte und eine besonders große und saftige Plaume verkosten durfte.

Fejø Schule und dann zum Tisch

Die Fejø Centralskole wurde 1960 eingeweiht und wir waren fast 80 Schüler, als ich dort zur Schule ging. Ein Lehrer damals war übrigens Thorvald Jensen, der Vater des Obstbauern. Er war für seine "Kokosnüsse" bekannt, ein harter Klopf mit seiner Faust auf den Hinterkopf für Schüler, die nicht aufmerksam waren - wie mich zum Beispiel.

Aufmerksam war aber die Königin, siehe meine Anekdoten unten. Die Schüler haben ihr ein Lied gesungen und der Leiter des Museums hat ihr ein besonderes Buch überreicht, Auflage 1 Stück.

Mittagessen auf dem Weinberg

18 Meter ist der höchste Punkt Fejøs über dem Meeresspiegel und genau dort befindet sich der größte Weinanbau der Insel, das Weingut Hideaway. Der kreidige Boden und das milde Klima in Kombination mit Knowhow aus Deutschland ermöglicht es Karin Hvidfeld besonders gute Weißweine zu produzieren und diese durfte die Königin verkosten, zusammen mit einer reifen Feige, denn auch diese freuen sich über das Inselklima.

Nicht umsonst werden Fejø und ihre Nachbarinseln als Dänische Südsee bezeichnet. Was die Königin zu Mittag hatte werden wir nicht erfahren, denn hier galt "privat", jedoch mit Teilnahme einiger Insulaner.

Abreise vom Jachthafen

Letzter halt auf Fejø war am Jachthafen, wo die Königin sich die langweilige Rede vom Bürgermeister anhören musste. Diese habe ich mir teilweise erspart, denn es ging weiter zur Nachbarinsel Askø und die Presse durfte nicht später als die Königin ankommen. Das erwies sich als kein Problem, denn mit einem RIB Schlauchboot der dänischen Marine hat die Fahrt gefühlt nur wenige Sekunden gedauert. Kein Wunder, wenn man mit zwei 400 PS Außerbordern und 120 Km/h übers Wasser fliegt.

Auf Askø gab es ebenfalls Programm, u.A. mit Claus Meyer, Mitgründer vom Sternerestaurant Noma.

Ein hartes Programm

Man muss schon die Königin bewundern, dass sie mit 82 so viel schafft. Interessiert und aufmerksam ist sie bei jedem Besuch und davon gibt es im Jahr nicht wenige. Laut ihrem offiziellen Kalender hatte sie in der Woche mit dem Inselbesuch an fünf Tagen insgesamt 37 Programmpunkte, davon zweimal Abendessen auf dem Königsschiff mit Gästen und sicherlich mehr als einen Gang.

Und wie es im Kalender steht: Dieser spiegelt hauptsächlich Aktivitäten zu denen auch die Presse eingeladen ist. Darüber hinaus gibt es noch eine ganze Reihe von Events und Treffen, von denen die Öffentlichkeit nichts erfährt.

Was für ein Aufwand

Das die Königin nicht alleine reist, war mir schon klar, aber mehr als 50 Polizisten auf der sonst behördenfreien Insel haben mich doch überrascht. Die Vorbereitungen waren immens, für die regionale Polizei eine der größten Aufgaben seit langer Zeit. Die Königin ist immerhin die mit Abstand wichtigsten Person in Dänemark.

Eliteeinheiten und Sprengstoffhunde

Vor dem Besuch wurden beide Häfen der Insel von Eliteeinheiten unter Wasser geprüft, das Königsschiff wurde von einem bewaffneten Schiff der Marine begleitet und alle Gebäude und Gelände auf der königlichen Route hatten zuerst Besuch von Sprengstoffhunden. Dazu die Leibwächter, noch ein paar Boote der Polizei und vielleicht ein paar Leute vom Geheimdienst, die aus guten Gründen nicht aufgefallen sind.

Alle waren sie sehr freundlich und die Atmosphäre war halt dänisch entspannt.

Presse, wie geht das denn?

Du möchtest noch wissen, wie ich an meinem Presse-Schild gekommen bin? Ganz einfach: Ich habe mich beworben. Nun ja, aber mit welcher Begründung, bin ja weder Fotograf, noch arbeite ich in der Medienwelt. Du bist meine Begründung, denn viele Dänemarkurlauber interessieren sich für das dänische Königshaus und die Reichweite von fejo.dk ist nicht zu unterschätzen.

Dazu bin ich Insulaner, habe mein Unternehmen auf der Insel gegründet und würde nie auf die Idee kommen, meine Website umzubenennen. Es bleibt bei fejo.dk. So wurde ich akkreditiert und durfte den ganzen Tag der Königin folgen. Ein Erlebnis fürs Leben.

Drei kleine Anekdoten

Die Königin kommt zu Besuch, wen würde das nicht aus der Fassung bringen? Als Presse erlebt man ja schon ein paar Sachen worüber sonst nicht berichtet wird und ich erlaube mir ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern.

So alt bin ich nun auch wieder nicht

Hintergrund: 1872 entdecke ein Bauer einen Silberbecher auf seinem Feld, der sich heute im Nationalmuseum befindet. Das Inselmuseum hat davon eine Kopie, die sich die Königin schon bei ihrem ersten Besuch in 1979 angeschaut hatte. Nun sagte der Leiter des Museums zur Königin: Hier ist der Becher, den Sie ja schon aus Ihrem ersten Besuch in 1879 kennen. Promte Reaktion von der Königin: "Zwar bin ich eine alte Frau, aber so alt bin ich nun auch wieder nicht."

Haltestelle vergessen

Der Besuch umfasste einen Abstecher zur Nachbarinsel Askø, wo sich ebenfalls ein Weingut befindet. Der Sohn hatte der Königin eine Besichtigung im Weingarten angeboten und es war mit der Presse vereinbart, dass er an einem bestimmten Punkt kurz anhalten sollte, damit wir die Königin mit einem besonders schönen Hintergrund fotografieren konnten. Nun, das hat der junge Mann wohl vergessen und fuhr einfach an uns vorbei. 50 Meter weiter wurde der Golfwagen dann von einem Leibwächter eingeholt und dann kam das bip-bip-bip Geräusch: Die Königin fuhr rückwärts und die Presse durfte ihre Fotos machen.

Die royale Rüge

Als Mitglied der internationalen Presse war ich lediglich mit meinem iPhone bewaffnet, was der Königin leider aufgefallen ist, denn ich hatte nicht daran gedacht mein Handy auf lautlos zu stellen. Nicht das es geklingelt hat, aber für jeden Knips gab es halt das klassische Geräusch. Bei vielen Fotos aus kurzer Entfernung ist das bestimmt störend und so bekam ich einen diskreten Hinweis vom Presse-Offizier. Sorry, Margrethe, wird nicht wieder vorkommen.

Author: Henrik Ranch