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Das neue Hundegesetz in Dänemark 2014

Nach vier Jahren mit dem umstrittenen, dänischen Hundegesetz wurde es mit Stichtag 1.7. endlich entschärft. Was wurde geändert und welche Rolle spielen die Änderungen für Urlauber, die mit ihrem Hund nach Dänemark fahren?

Vorab das Fazit: Es wurde kein Urlauberhund in Dänemark gesetzbedingt eingeschläfert und mit dem neuen Gesetz ist dies noch unwahrscheinlicher. Mit jährlich mehr als 100.000 Besuchen von Urlauberhunden bleibt Dänemark unter deutschen Hundehaltern ein besonders beliebtes Reiseland.

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Aktualisiert: Juni 2014
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Inhalt:   Die Novellierung   Wir meinen   Konsequenzen für Urlauber   Was können Sie tun?   Reaktionen aus dem Internet

Weißer Schäferhund in den Dünen an der Nordsee in Dänemark

Die Vorgeschichte

Das nun alte Gesetz wurde 2010 verabschiedet und verbot die Einfuhr, Haltung und Zucht von 13 als "gefährlich" eingestuften Hunderassen, die sogenannten Listenhunde: Pit Bull Terrier, Tosa Inu, American Staffordshire Terrier, Fila Brasileiro, Dogo Argentino, American Bulldog, Boerboel, Kangal, Zentralasiatischer Owtscharka, Kaukasischer Owtscharka, Südrussischer Owtscharka, Tornjak und Šarplaninac. Bei Mischlingen und Hunden ohne Papiere gilt die umgekehrte Beweislast, d.h. der Halter muss nachweisen, dass sein Hund kein "Listi" ist. Ohne einen triftigen Grund, also eine Ähnlichkeit mit einem verbotenen Hund, kann die Polizei jedoch keine Dokumentation für die Abstammung des Hundes einfordern.

Unabhängig von der Rasse galt, dass die Polizei einen Hund nach schweren Beißattacken einschläfern konnte, falls die Wunde genäht werden müsste. Das Urteil der Polizei war final, Einsprüche wurden nicht berücksichtigt. Ferner gab es ein altes Gesetz aus 1872, das es Grundbesitzern ermöglichte, streunende Hunde, nach Warnung in der lokalen Zeitung, beim nächsten Besuch zu erschießen.

Die Novellierung

Die Rasseliste bleibt unverändert, dafür wurde das alte Gesetz aus 1872 aufgehoben: Grundbesitzer dürfen streunende Hunde nicht mehr erschießen. Was die Einschläferung nach schweren Beißattacken betrifft, ist vieles besser geworden: Ein Sachverständiger soll nun entscheiden, ob die Beißerei durch ein natürliches Verhalten der Hunde entstanden ist. Ist dies der Fall, soll die Polizei auf die Einschläferung verzichten. Weiterhin sind Einsprüche nun möglich. Bis das Urteil vorliegt, ist das Tier in einem Tierheim unterzubringen.

Wir meinen

Die Änderungen sind erfreulich aber nicht ausreichend. Besonders positiv ist es, dass ein Sachverständiger (Tierarzt) bei schweren Beißattacken mit einbezogen werden soll. Wir vermuten, dass die dänische Polizei sich nach den Empfehlungen der Sachverständigen richten wird, sonst kann der Hundehalter die Entscheidung vor Gericht anfechten, was mit dem alten Gesetz nicht möglich war. Weiterhin vermuten wir, dass die Polizei in vielen Fällen auf Anklage verzichten wird, weil es vorhersehbar ist, dass die Aussage des Sachverständigen zu Gunsten des Hundehalters ausfallen wird. Damit sollten die sinnlosen Einschläferungen von in der Regel großen Hunden, die sich gegen Provokationen von kleinen Hunden gewehrt haben, also der Vergangenheit angehören. Ein wichtiger Schritt.

Bedauerlich ist es jedoch, dass die Rasseliste unverändert bleibt. Gefährlich ist nicht die Rasse an sich, sondern die Kombination aus Hund und Besitzer. Was das Gesetz aus 1872 angeht, wurde es recht selten verwendet und es wird kaum von jemandem vermisst werden.

Konsequenzen für Urlauber

Nun, in Dänemark wurde noch nie ein Urlauberhund eingeschläfert, trotz jährlichen Besuchen von mehr als 100.000 deutschen Hunden. Im Gegensatz zur medialen Darstellung gilt Dänemark unter den vielen Deutschen, die der Angst- und Panikmache nicht zum Opfer gefallen sind, weiterhin als besonders hundefreundliches Land. Auch mit dem alten Gesetz gab es keine fundierten, negativen Berichte von Urlaubern, die mit Hund in Dänemark waren. Ein Ausschnitt der vielen Berichte finden Sie hier. Problematisch war/ist das Gesetz für dänische Hundehalter. Nur wer einen Listenhund, oder einen "listenähnlichen" Hund ohne Rassennachweis besitzt, der sollte Dänemark weiterhin als Urlaubsland meiden.

Was können Sie tun?

An Aufforderungen, auf Dänemark als Urlaubsland zu verzichten, hat es von radikalen Elementen unter den deutschen Tierschützern nicht gefehlt. Bisher hat das bei mündigen Urlaubern wenig gebracht. Da es sich bei den Dänemarkurlaubern meistens um Wiederholungstäter in Sachen Urlaub handelt, können diese gut selber einschätzen, ob sie durch das Hundegesetz eine Gefahr in einem Dänemarkurlaub sehen oder nicht.

Das dänische Hundegesetz hat aber weiterhin Schwächen, die vor allem dänischen Hundehaltern Sorgen machen. Der Verein Fair Dog setzt sich für die Abschaffung der Rasseliste ein sowie für eine möglichst kurze und "humane" Unterbringung der Hunde, solange ein Fall vor Gericht verhandelt wird. Wir unterstützen Fair Dog und laden alle, auch unsere deutschen Freunde, denen das dänische Hundegesetz nicht gefällt, ein, Mitglied von Fair Dog zu werden.

Reaktionen aus dem Internet

Fair Dog findet die vorgenommenen Veränderungen positiv, und wir sind stolz, dass einige der Veränderungen durch die Vorschläge, Argumente und Dokumentationen von Fair Dogs Seite geprägt sind. Trotzdem sind wir sehr traurig, dass die Politiker hinsichtlich der 13 verbotenen Rassen nicht auf die Experten gehört haben, und das Verbot daher bleibt. Ein Verbot, das durch absolut nichts fachlich zu begründen ist. ... Alles in allem wurde ein Schritt in die richtige Richtung unternommen, aber es ist noch ein Minischritt, und das Hundegesetz konzentriert sich leider immer noch auf die Hunde und nicht auf verantwortungslose Halter.

Visit Denmark Das neue Hundegesetz räumt einige Missverständnisse der Vergangenheit aus und schützt die Vierbeiner noch besser als bislang.

TASSO begrüßt es außerordentlich, dass mit dieser Regelung das antiquierte „Feld- und Weggesetz“ von 1872 nun endlich überholt ist. ... Leider ist überhaupt nicht klar, welche Ausbildung die "Hundesachverständige" Person haben muss, die sie dazu befähigt, über Tod oder Leben eines Hundes zu entscheiden. Deshalb bleibt abzuwarten, ob diese Änderung tatsächlich eine Verbesserung für die Hundesicherheit in Dänemark darstellt. ... Das seit dem 1. Juli 2010 geltende Verbot von Zucht, Haltung und Einfuhr 13 als gefährlich geltender Hunderassen bleibt weiter bestehen. Diese Entscheidung lehnt TASSO ausdrücklich ab, da Hunde nicht pauschal über die Einordnung in eine Rasseliste als gefährlich oder ungefährlich eingestuft werden können. Kein Hund ist von Geburt an bissig oder gar lebensbedrohlich, sondern wird durch das menschliche Verhalten dazu gemacht.

Der Minister Das neue Gesetz gibt sowohl dänischen Hundebesitzern als auch ausländischen Touristen, die ihren Hund mit in den Urlaub nach Dänemark genommen haben, mehr Sicherheit.

Novasol Erfolgreicher Einsatz von NOVASOL: Änderungen im dänischen Hundegesetz geben auch Ferienhausurlaubern mit Hund mehr Sicherheit ... Ab sofort können Hundebesitzer noch unbesorgter ihren Urlaub mit ihren vierbeinigen Lieblingen in Dänemark verbringen. Das dänische Parlament hat das umstrittene Hundegesetz von 2010 mit Wirkung zum 1. Juli 2014 geändert und kräftig entschärft. ... Ebenso haben Hundebesitzer, deren Hunde in einen Beißvorfall verwickelt waren, nun Anrecht auf die Beurteilung eines Sachkundigen und müssen nicht mehr die sofortige Einschläferung ihres Tieres befürchten. Eine kleine Liste von 13 Kampfhundrassen bleibt aber in Dänemark weiterhin verboten, es werden jedoch keine weiteren Rassen in diese Liste aufgenommen. Insgesamt entspricht die neue rechtliche Situation in Dänemark somit in etwa der Rechtslage in Deutschland.

Quellen

Zitate aus dem Internet sind am Anfang des jeweiligen Zitats verlinkt.

Das alte Gesetz: Bekendtgørelse af lov om hunde

Das neue Gesetz bzw. die Änderungen zum alten Gesetz: Forslag til Lov om ændring af lov om hunde

Anmerkung: Aus offizieller Seite liegen keine Übersetzungen dänischer Gesetze in deutscher Sprache vor.

Rasselisten in mehreren europäischen Ländern: Wikipedia

Urlauber berichten (2013): Das Hundegesetz in Dänemark in der Praxis

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Bei Fragen zum Thema helfen wir Ihnen gerne weiter. Unsere Mitarbeiter wissen aus erster Hand, wie die Lage in Dänemark wirklich ist: Mehrere von ihnen sind nicht nur begeisterte Dänemark-Fans sondern auch Hundehalter und fahren immer wieder nach Dänemark mit ihrem Tier. Fragen Sie uns einfach, täglich 10-20 Uhr, wir beißen nicht ;-)

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